Valentinstag/Kommentar

Tag der Verliebten oder auch Geldverschwendung auf Profi-Niveau

Miriam kann dem Valentinstag nicht viel Positives abgewinnen. Der übertriebene Konsum, um diesen Tag herum, gefällt ihr nicht. Keinesfalls aus Missgunst, sondern eher aus Pragmatismus.
Bei vielen Paaren dreht es sich am Valentinstag darum, wer das größere Geschenk macht. Miriam findet, es darf ruhig etwas Pragmatisches sein, dem man gemeinsam einen tieferen Wert geben kann. © pexels.de

Alle Jahre wieder ist es soweit: Der Tag der Verliebten aka Tag der pseudo-tiefgründigen Instagram-Posts und der Geschenke der Superlative. Was selbst die größten Romantiker:innen unter uns wohl kaum abstreiten können ist, dass der Valentinstag ein florierender Wirtschaftszweig ist.

Die Werbung ist voll von „romantischen“ Ideen für den Tag der Liebe, man soll teuren Schmuck kaufen, spezielle Pärchen-Events zu astronomischen Preisen buchen, Blumensträuße direkt nach Hause liefern lassen (bei denen man im Prinzip eh nichts anderes tun kann, als ihnen beim Verwelken zuzusehen), kitschige Liebesschlösschen aufhängen (Geldverschwendung auf Profi-Niveau) et cetera et cetera.

Der Horror für Kapitalismuskritiker

Die Süßigkeiten in speziellen Herzchenschachteln, die den Gramm-Preis des Inhalts locker verdreifachen, bilden den Gipfel des Kaufwahnsinns. Jeder durchschnittliche Kapitalismuskritiker steht spätestens hier kurz vor der spontanen Selbstentzündung.

Warum stehe ich der Sache eher gleichgültig bis kritisch gegenüber? Neid ist es sicher nicht. Ich gehöre nicht zu den frustrierten Singles, die anderen ihr Pärchenglück missgönnen. Vielleicht liegt es aber daran, dass mein schmales Studentenportemonnaie keinen romantischen Helikopterrundflug mit anschließendem Luxus-Wellnesswochenende in den Schweizer Alpen bezahlen kann.

Pragmatisches Geschenk mit tiefer Wertschöpfung

Oder aber der Bereich meines Gehirns, der für romantische Handlungen verantwortlich ist, ist stark unterentwickelt. Beispiel: Das erste Geschenk, das ich meinem Freund gemacht habe, war ein Nudelholz.

Warum ausgerechnet ein schnödes Küchenutensil? Weil mein Freund (warum auch immer!) keines besaß und ich für uns beide an jenem Abend unbedingt Flammkuchen backen wollte. Irgendwie muss man den Teig dafür schließlich ausrollen.

Ich bin in Sachen Geschenken wohl eher der pragmatische Typ. Das gemeinsame Zubereiten des Flammkuchens mithilfe des Nudelholzes und das anschließende gemeinsame Essen zu zweit verlieh diesem einfachen Stück Holz aber eine deutlich tiefere Wertschöpfung, als es ein Strauß Blumen oder ein anderes Geschenk, das zwar teuer, aber irgendwie beliebig ist, je hätte schaffen können. Und dafür brauchte es weder viel Geld noch ein Datum im Kalender.

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