Im Gespräch mit Scenario

Twenty4Tim im Interview: „Durch Musik kann ich mich besser ausdrücken“

Der Content-Creator Twenty4Tim braucht immer Veränderung, wie er im Interview verrät. Diese Veränderung gibts bei ihm jetzt beruflich, denn er dropt am 1. April seinen ersten Song.
Twenty4Tim ist mit mehreren Millionen Follower*innen ein Social-Media-Phänomen. Jetzt wagt er sich mit "Bling Bling" an eine Musik-Karriere heran. © Fabian Heigel

Tim Kampmann, besser bekannt als Twenty4Tim, produziert schon länger Videos auf Instagram und TikTok. Im Laufe der letzten Jahre hat er Millionen von Follower*innen dazugewonnen. In seinen Videos, die oft in Alltagssituationen entstehen, nimmt sich der Content-Creator gerne selbst auf die Schüppe und bricht mit Gender-Klischees.

Am 1. April 2022 schlägt Tim nun einen ganz neuen Weg ein: Er released seine erste Single „Bling Bling“. Wir haben mit ihm über seine neu gestartete Musik-Karriere gesprochen.

Tim, am 1. April beginnt ein neues Kapitel in Deinem Leben. Du veröffentlichst Deinen ersten Song. Er trägt den Titel „Bling Bling“. Wofür soll das stehen?

Ich habe lange überlegt, dass ich etwas brauche, was nicht einfach nur ein Wort ist. Natürlich verstehen wir alle, was leuchtende Ringe oder Schmuck sind, aber „Bling Bling“ bedeutet nicht nur das, sondern gleichzeitig auch, dass ich vom Selbstbewusstsein her strahle.

Früher war ich sehr introvertiert, habe mich nicht so gestylt, wie ich es wollte. Für mich bedeutet der Titel deshalb auch, dass ich optisch zu mir stehe, aber auch, dass ich mich innerlich gefunden habe. Ich kann mein Inneres nach außen präsentieren.

Ist der Song also eine musikalische Autobiografie?

Der Begriff trifft es gut. In dem Song sind viele Ebenen und Stationen, die ich in meinem Leben durchlaufen habe, enthalten. Ich thematisiere zum Beispiel meine Essstörung mit den Worten „früher 110kg, vorher 48“. Aber auch das Mobbing und die fehlende Selbstakzeptanz sind thematisch enthalten. Daher finde ich den Autobiografie-Begriff gut.

Wenn man wichtige Themen anspricht, darf man dies nicht auf eine schwere Art und Weise tun, da sonst niemand zuhört. Es muss humorvoll und entertaining sein. Das war mir wichtig. Ich versuche ernste Themen auf eine coole Art und Weise anzusprechen, damit mir die Menschen Gehör schenken.

Dein Song lässt sich im Rap-Genre verorten. Was läuft bei Dir privat für Musik?

Aktuell höre ich meinen Song am allermeisten. Ich mag ihn so gerne, dass ich ihn dauernd höre, vor allem wenn ich im Cabrio fahre. Privat höre ich alles. Meine Playlists sind genauso bunt, schrill und vielfältig wie mein Feed bei Instagram. Ich höre Schlager und Helene Fischer, aber auch Cardi B und Nicki Minaj oder Shakira.

Wie kam es überhaupt zu dem Schritt, nun Musik machen zu wollen?

Ich bin jemand, der sich immer neu erfinden muss. Wenn es beruflich gut läuft, bin ich irgendwann gelangweilt. Ich kann zwar gute Aufrufzahlen haben, es ist mir aber nicht wichtig, denn ich brauche immer eine Veränderung. Egal, ob meine Haarfarbe, meinen Kleidungsstil oder meine Sprüche. Es ist immer etwas Neues.

An die Musik habe ich mich bisher noch nie gewagt. Es gab aber Beispiele, die mir Mut gemacht haben, wie zum Beispiel Katja Krasavice. Ich bin bestimmt nicht der beste Sänger. Aber man braucht nicht die beste Stimme, um coole Songs zu machen. Es kommt auf mehr an. Durch meine Musik kann ich mich nochmal anders ausdrücken. Ich kann viele Klischees brechen. Das gibt es in Deutschland noch nicht so häufig. So jemanden wie Lil Nas X sollte es in Deutschland auch geben. Deswegen wollte ich es ausprobieren.

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass Social Media kein Druck ist. Sobald man selbstständig ist, hat man immer einen gewissen Druck, sich selbst zu perfektionieren und besser zu werden. Auf der anderen Seite muss man sich eingestehen, dass man Fehler begeht und gerade deswegen vielleicht ein Vorbild ist. Verantwortung zu haben, finde ich gut. Ich kann Leuten etwas auf anderem Wege übermitteln, als z.B. in der Schule, da sie eher zuhören. Deswegen freue ich mich über die Chance.

Mit 2 Millionen Instagram- und 3,7 Millionen TikTok-Followern bist Du ein virales Phänomen. Wie gehst Du mit der Verantwortung, eine hohe Reichweite zu besitzen und gleichzeitig Vorbild für junge Menschen zu sein, um?

In Deinen Reels und TikToks nimmst Du Dich häufig selbst nicht so ernst. Die Reaktionen sind zum großen Teil positiv. Wie gehst Du mit negativen Rückmeldungen oder auch Kritik im Netz um?

Da wächst man dran. Es ist toll, wenn man nirgendwo aneckt. So etwas zu schaffen, ist aber unmöglich. Sobald die erste Kritik da ist, lernt man. Ich darf nicht immer auf alles reagieren. Dass ich es nicht allen recht machen kann, ist normal.

Mir folgen zwei Millionen Menschen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Millionen Menschen meinen Song mögen werden? Es ist unmöglich, alle zufrieden zu stellen. Es gibt konstruktive Kritik, bei der die Menschen möchten, dass du aus deinen Fehlern lernst, und es gibt den Hate und wahllose Beleidigung. Das muss man immer differenzieren.

Was können wir musikalisch noch in Zukunft von Dir erwarten?

Welchen Musiker kennst Du, der nur eine Single veröffentlicht? (lacht) Ich habe Lust ein Album zu machen, aber es ist wichtig, Schritt für Schritt zu gehen. Wir haben mehrere Songs aufgenommen und ich habe mich in verschiedenen Genres ausprobiert. Die erste Nummer muss sitzen und provokant sein.

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