Scenarios Typenlehre

Typen von Schlittschuhläufern, die jeder kennt

Miriam war kürzlich zum Schlittschuhlaufen verabredet. Dort hat sie nicht nur fleißig Runden gedreht, sondern auch ihre Mitmenschen beobachtet und verschiedene Typen von Eisläufern erkannt.
Wie in nahezu jeder Lebenslage, finden sich auch auf der Eisbahn Menschen, die sich in verschiedenste Kategorien bzw. Typen einteilen lassen. © pixabay.de

Es ist mitten im Winter und somit genau die richtige Saison, um unter freiem Himmel Eislaufen gehen zu können. Die Möglichkeit des Eislaufens vor schönster Ruhrgebiets-Kulisse ruft aber nicht nur mich, sondern auch eine Menge anderer Menschen auf den Plan, die sich erstaunlich präzise wie folgt kategorisieren lassen:

Typ 1: Die Instagramer

Bei diesen Menschen kann man sich nicht sicher sein, ob sie instagrammen wegen des Eislaufens oder ob sie nur Eislaufen gehen wegen Instagram. Dabei entstehen mittels Handykamera „ganz natürlich aussehende“ Aufnahmen. Der Aufnahmeprozess wird begleitet von Sätzen wie: „Kannst du mich beim Fahren von hinten filmen? Boah warte, meine Haare! Mach mal aus anderem Winkel“. Gerne wird hierfür auch die halbe Eisbahn komplett blockiert, die eigenen Follower haben schließlich absolute Priorität.

Entdeckt Ihr diese Leute auf der Eisfläche, könnt Ihr Euch sicher sein, dass Ihr auf durchschnittlich 100 Insta-Storys zu sehen sein werdet. Wenn Ihr jetzt in Eurer Eislauf-Instagram-Story im Hintergrund jemanden breit grinsend, schielend und wild in die Kamera winkend durchs Bild fahren seht: Das bin ich, wie ich stress- und handyfrei die winterliche Atmosphäre zu genießen versuche, trotz dutzender laufender Kameras um mich herum.

Typ 2: Die Models

Nieselregen, sechs Grad Außentemperatur und ein gefrorener Untergrund: Genau die richtigen Bedingungen, die bauchfreien T-Shirts rauszuholen, die paradoxerweise gerne mit einer superdicken aber gleichzeitig superkurzen Stepp-Daunen-Jacke kombiniert werden, ganz frei nach dem Motte „The cold never bothered me anyway“.

Warum ich weiß, was sich unter den Jacken der Model-Mädels befindet? Weil die Jacken NIEMALS geschlossen getragen werden (sieht ja doof aus) und die Instagramability gewahrt werden muss. Ihr merkt: Die Models sind eng verwandt mit den Instagramern.

Typ 3: Die Pechvögel

Die Pechvögel sind auch schnell entdeckt auf der Eisfläche. Sie sind leicht zu identifizieren an optischen Erkennungsmerkmalen wie großen klitschnassen Flecken auf der Kleidung und an akustischen Signalen wie lautem Kreischen, gefolgt von dem ganz bestimmten dumpfen Krachen, das entsteht, wenn ein menschlicher Hintern mit hoher Geschwindigkeit auf einer Eisfläche aufschlägt.

Typ 4: Die Eisprinzessinnen

Bei so viel Grazie und Eleganz schämt man sich ganz automatisch für die eigene Darbietung auf dem Eis. Während ich selbst zu sehr damit beschäftigt bin, mich selbst und andere nicht zu gefährden, drehen die Eisprinzessinnen mit ihren schneeweißen Schlittschuhen und wehenden Haaren eine Pirouette nach der anderen und lassen alle anwesenden wie ungeschickte Trampel aussehen.

Ich schaue verstohlen auf meine blauen Plastik-Leih-Schlittschuhe und versuche den Gedanken daran zu verdrängen, dass ich nicht einmal richtig bremsen kann.

Typ 5: Die Kamikazen

Dieser Eislauftyp strapaziert nicht nur die Nerven aller anderen, sondern ignoriert auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit all jener, die einfach nur gemütlich ihre Runden (oder Instagram-Stories) drehen wollen.

Mit irrwitziger Geschwindigkeit rasen sie wahlweise vorwärts, rückwärts oder seitwärts über die Eisbahn, überholen mit einer halben Haaresbreite Abstand und ignorieren gekonnt die Massenkarambolage, die sie hinter sich verursachen. Die Kamikazen lassen in mir den seltsamen Wunsch aufkommen, auf der Eisbahn Radarfallen zu installieren.

Typ 6: Die Normalos

Die Normalos bemerkt man kaum auf der Eisfläche. Normalos drehen friedlich Runde um Runde, haben eine durchschnittliche Geschwindigkeit und fallen nicht übermäßig oft hin. Normalos sind lieb. Normalos stressen nicht. Seid wie die Normalos.

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