Meinung

Umweltbewusstes Leben darf kein Privileg sein

Es gibt noch viele Probleme, die zum Thema Umweltschutz aus dem Weg geräumt werden müssen. Zora* nennt Euch zwei grundlegende.
Jeder, der will, sollte etwas zum Erhalt unseres Planeten beitragen können. © pixabay.de

Warum ein veganer Kuchen die Welt nicht rettet und weshalb individuelle Konsumkritik und „Whataboutism“ nicht nur unfair, sondern auch gefährlich für das Klima sind:

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich angefangen, mich vegan zu ernähren und aufgehört, mir Fast-Fashion-Produkte zu kaufen. Schon länger benutze ich festes Shampoo und eine Bambuszahnbürste.

Mir geht es besser damit, trotzdem rettet mein Falafelwrap nicht die Welt, während mein Döner essender Freund auch nicht dafür sorgt, dass diese in Flammen steht. Das Entscheidendste daran, zu umweltfreundlicheren Alternativen zu greifen, ist die erhöhte Aufmerksamkeit für existente Probleme, die im besten Fall dazu führt, dass auf politischer Ebene Druck ausgeübt wird.

Umweltschutz wird für manche zur finanziellen Herausforderung

Momentan ist umweltbewusst einkaufen zu können ein Privileg. Meine plastikfreien Naturkosmetikprodukte kosten gut und gerne mal doppelt so viel wie die klassische Alternative. Da kann gesagt werden: Das muss einem die Umwelt halt wert sein.

Da müsste aber vielmehr von politischer Ebene gesagt werden: Mikroplastik in Kosmetik- und Hygieneartikeln wird bis Ende 2021 (weitestgehend) verboten, umweltfreundliche Produkte werden subventioniert. Es muss die normale, günstige Alternative sein, ein klimaschonendes Produkt zu kaufen. Alles andere ist klassizistisch.

Das Problem mit „Whataboutism“

Es wird zum Privileg, umweltbewusst zu konsumieren, und es werden Menschen beschämt, die sich das nicht leisten können. Dabei sollten viel mehr diejenigen beschämt werden, die dafür sorgen könnten, dass eine ganze Nation automatisch umweltbewusst konsumiert, die aber den Umweltschutz hinten anstellen.

Ein zweites Problem, was damit zusammenhängt, ist „Whataboutism“. Wenn ich ein Fleischgericht dankend ablehne, kommt häufig ein Kommentar wie: „Aber nach Kanada fliegen, ist klar.“ Überraschung: Auch ich habe einen CO2-Fußabdruck und mache nicht alles richtig. Mittlerweile finde ich solche Kommentare nur noch bescheuert.

Doofe Sprüche können Folgen haben

Am Anfang haben diese Sprüche aber dazu geführt, dass ich mich stundenlang schlecht gefühlt habe und mich nicht mehr getraut habe, irgendwas zu umweltpolitischen Themen zu sagen. Ich glaube, so geht es vielen und das ist schlecht.

Wenn diejenigen, die ein Bewusstsein für Klimagerechtigkeit und Umweltprobleme entwickelt haben darüber schweigen, aus Angst, selbst mal keinen nachhaltigen Kaffeebecher dabei zu haben oder eine Kugel Milchspeise-Eis zu essen, dann entsteht nicht der gesellschaftliche Druck, den wir bräuchten, um auf politischer Ebene Klimagerechtigkeit zur Priorität zu machen.

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