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Urlaub fürs Gehirn mit diesen 4 Buchtipps

Lesen gibt uns die Möglichkeit, in unseren Köpfen in andere Welten einzutauchen. Warum sollte es dann nicht möglich sein, im Kopf zu verreisen? Wir haben die richtigen Bücher dafür.
Mit der richtigen Sommerlektüre könnt Ihr Euch das Urlaubsfeeling auch nach Hause holen. © pixabay.de

Der zweite Corona-Sommer ist in vollem Gange. Niemand weiß, ob Sylt nun die pandemische Chance nutzt, das Whitehaven Beach des kleinen Mannes zu werden, oder ob Dubai den ein oder anderen Influencer an das exaltierte Eckernförde verliert. So oder so, ist Urlaub in diesem Jahr immer noch recht kompliziert und für die meisten ist der zweiwöchige Aufenthalt im heimischen Hinterhof unumgänglich. Um trotzdem ein wenig Urlaubsfeeling im Kopf abzurufen, haben wir für Euch ein paar formidable Buchtipps für den Urlaub fürs Gehirn.

Dunkle Kapitel der deutschen Geschichte

Deutschland: Während Corona hat auch Mecklenburg-Vorpommern sein Anrecht darauf, Urlaubsdomizil zu sein. Ada Fink hat einen Thriller geschrieben, der in Wussnitz stattfindet, was schon unangenehm genug sein sollte. Schon der Klappentext von „Blütengrab“ verrät, es geht ein bisschen um DDR- und Stasi-Zeit, ein bisschen um Neonazis und ein bisschen um die RAF. Klingt im ersten Moment abschreckend und man fragt sich, warum man einen fiktiven Thriller zu Themen schreiben muss, die genug Furchtbarkeit für die nächsten Dekaden bereithält.

Ada Fink: „Blütengrab“,

448 Seiten,

Rowohlt Wunderlich Verlag,

ISBN: 978-3-8052-0059-2,

16 Euro

Die Antwort kommt beim Lesen allerdings schnell auf: weil es faszinierend und komplex ist. Zumindest sorgt Ada Fink hervorragend durch ihren Erzählstil dafür. Komplexität führt oft zu forcierter Inszenierung und unrealistischer Ungeheuerlichkeit. Hier nicht. „Blütengrab“ ist ein unangenehmer Ausflug in ein Bundesland mit schlechter PR, aber er lohnt sich.

Schweiz: Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ – ein Klassiker im Schweizer Idyll, das nie an Relevanz verloren hat. Für die meisten von uns wird es vermutlich als protestantische Pflichtlektüre im Hirn abgespeichert sein – erst Qual, weil Pflicht, dann Erlösung, weil Erhellung. Es ist schade, wie grandiose Literatur innerhalb des Schulunterrichts eher Aversionen schürt, als zu begeistern.

Begeisterung ist nicht unbedingt das Wort, das ich wählen würde, um meinen Gemütszustand zu der Geschichte zu beschreiben.

Friedrich Dürrenmatt: „Der Besuch der alten Dame“,

160 Seiten,

Diogenes Verlag,

ISBN: 978-3-257-23045-1,

10 Euro

Ein sterbendes Touristengebiet in den Alpen

Vielmehr ist es Resignation darüber, wie Geld und Ansehen Menschen, Gemeinschaften und Gesellschaften manipulieren. Ein Zustand, an dem sich seit 1956 nichts geändert hat. Die Geschichte ist trotzdem eine vielfältige Entblößung verschiedenster Beweggründe dahinter und die Offenbarung, dass es nicht immer Gier ist, die treibt. Spannende Charaktere und komplexe Geflechte, die das Leben treffender darstellen, als man wahrhaben möchte.

Schnappt Euch ein gutes Buch und raus geht’s. © pixabay.de © pixabay.de

Österreich/Italien: Bad Regina wäre gerne der Touristenort, der uns nach erreichter Herdenimmunität in seine starken, alpinen Arme nehmen und mit viel Rausch und Ekstase füttern will. Zwischendurch ein bisschen Ski fahren und Kultur vielleicht. Bad Regina stirbt aber gerade einen langsamen und qualvollen Tod. Ein mysteriöser chinesischer Immobilienmogul kauft eine Immobilie nach der anderen auf und lässt sie verkommen.

David Schalko: „Bad Regina“,

420 Seiten,

Kiepenheuer & Wietsch,

ISBN: 978-3-462-05330-2,

24 Euro

Die verbleibenden verlorenen Seelen des Dorfes, die bislang stoischen Widerstand leisten, kämpfen um ihr Zuhause und wollen herausfinden, was vor sich geht. Was klingt, wie ein Thriller, mit origineller Storyline ist auch genau das: der unruhige Ist-Zustand unserer Gesellschaft. Die Metapher eines Europas, das mit Sorge und Gier betrachtet wird und einer Zukunft, die unsicher in den Händen seiner Bewohner liegt.

Das richtige Buch zum Verschenken

David Schalko schafft es, uns auszutricksen und unattraktive gesellschaftspolitische Diskurse hübsch und reizvoll aussehen zu lassen. Man weiß nicht, wie einem geschieht, bis man fertig ist. „Bad Regina“ – ein spannendes Buch, das man ruhig der ein oder anderen Person schenken sollte, um Horizonte zu erweitern.

Irland/New Jersey: Eoin Colfer ergatterte bisher eher als das Mastermind hinter der Artemis-Fowl-Reihe Glanz und Gloria. Doch auch abseits des Sci-Fi-Fantasy-Genres ist Colfer ein filigraner Pianist auf der Klaviatur der geschriebenen Worte – vor allem aber auch des geschmeidig resoluten Humors, der beim Lesen durchs Gemüt poltert, wie ein torfiger Whiskey durch das zerebrale System.

Eoin Colfer: „Hinterher ist man immer tot“,

352 Seiten,

Ullstein Taschenbuch Verlag,

ISBN: 978-3-548-61261-4,

9 Euro

„Hinterher ist man immer tot“ ist das zweite, aber auch alleinstehend lesbare Werk der Daniel McEvoy-Reihe. Der Archetypus eines Tölpels, dem seine herzliche Stumpfsinnigkeit zum Verhängnis wird. Innerhalb einer tollen Kulisse, dekoriert mit düsterem Esprit und mafiösen Protagonisten, für die man rasant einen Soft-Spot nach dem anderen entwickelt, wird schnell klar, dass das Buch so schnell nicht aus der Hand gelegt wird. Probiert es aus!

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