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Abi in der Tasche, aber Julia Rohmann freut sich über Hausaufgaben

Ihr Abi-Zeugnis hat Dressurreiterin Julia Rohmann seit fast einem Jahr in den Händen. Jetzt hat die 20-Jährige neue Hausaufgaben bekommen - und freut sich.
Julia Rohmann (LZRFV Marl, im Bild mit ihrer Trainerin Jessica Süß), ritt im Dressurzentrum Mariakalnok in Ungarn ihre erste Drei-Sterne-S-Dressur, und das mit dem erst zehnjährigen Genuine. Das Paar kam als Fünfte in die Platzierung. © Privat

Dabei hat die Marlerin ihren neuen Job noch gar nicht angefangen: Ab dem 1. August wird Julia Rohmann eine Ausbildung zur Industriekauffrau machen, mit dem Pferdesport hat das erst einmal nichts zu tun. Bis dahin ist die Tochter von Heiner und Caroline Rohmann nicht untätig gewesen.

Am vergangenen Wochenende ging‘s für sie recht kurzfristig nach Ungarn. Die lange Anreise ins Dressurzentrum von Mariakalnok hat sich doppelt gelohnt. Zum einen durfte sie dort ihren neuen vierbeinigen Sportpartner vorstellen, die in den Niederlanden gezogene Stute Genuine. Zum anderen trat die Amazone des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Marl erstmals in ihrer jungen Karriere in zwei Prüfungen auf Grand-Prix-Niveau an.

Viele Fehler und dennoch ein gutes Gefühl

„Ein Grand Prix ist definitiv eine ganz andere Welt als eine einfache S-Dressur“, berichtet die 20-Jährige, die sowohl im Grand Prix als auch in der Kür jeweils Fünfte wurde. Ihre Kürdarbietung mit der erst zehnjährigen Totilas-Nachfahrin Genuine wurde mit respektablen 64 Prozenten belohnt.

Julia Rohmann war am Ende megaglücklich: „Da waren in beiden Runden noch wirklich viele Fehler dabei, trotzdem hat sich alles so gut angefühlt. Ich habe aus Ungarn jedenfalls so viele Hausaufgaben mitgenommen wie nie, und auf die freue ich mich jetzt.“

Trainerin Jessica Süß macht Start in Ungarn möglich

Genuine steht Julia Rohmann erst seit dem letzten Herbst zur Verfügung, der Start in Ungarn war damit in zweifacher Hinsicht ein Sprung ins eiskalte Wasser. Möglich wurde er, weil ihre Trainerin Jessica Süß, mit der Julia Rohmann seit knapp einem Jahr zusammenarbeitet, selbst in Ungarn für den Grand Prix gemeldet hatte. Die Startgenehmigung in der U25-Tour für ihren Schützling aus Marl und ihre neues, pechschwarzes Pferd war nur Formsache, zumal der einzige Probewettbewerb, den das Paar zuvor absolviert hatte bei einem Turnier in Delbrück, viel versprach: Dort gab es auf Anhieb 67 Prozente.

Jetzt steht schon das nächste Highlight auf dem Programm

Für Julia Rohmann geht es Schlag auf Schlag weiter, schon an diesem Wochenende steht in Warendorf der „Preis der Besten“ an. 29 Dressurreiter*innen sind in der Altersklasse der Jungen Reiter (bis 21 Jahre) nominiert, mehr als üblich. „Es gab wegen Corona kaum Sichtungen“, berichtet Julia Rohmann.

Nominiert wurde sie nach zwei Runden in Warendorf, die sie im Sattel ihres Erfolgspferdes Roma Cherie absolvierte. Julia Rohmann spricht von “zwei Mega-Runden“, die sie vor der Entscheidung am Wochenende aber nicht übermütig werden lassen: „Wenn wir das, was wir in der Quali gezeigt haben, noch einmal zeigen, dann bin ich schon super zufrieden. Wozu es bei der Konkurrenz dann reicht, wird man sehen.“ Nominiert sind unter anderem die Reiter aus dem Bundeskader, die bereits über Erfahrung bei Championaten wie der Europameisterschaft verfügen.

Bleiben alle gesund, hat Julia Rohmann die Qual der Wahl

Startmöglichkeiten waren in den vergangenen Monaten rar gesät. Dazu kam, dass sich Roma Cherie vor den Deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr verletzte, lange ausfiel und erst seit Februar diesen Jahres wieder voll im Training ist. An Genuine, dem neuen Stern, der möglicherweise in Mariakanolk aufging, war bei der letzten „Deutschen“ noch nicht zu denken.

Bleiben alle gesund, dürfte Julia Rohmann demnächst sogar die Qual der Wahl haben. Die Deutschen Jugendmeisterschaften in Springen und Dressur sind in diesem Jahr vom 9. bis 12. September in Darmstadt terminiert.

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