Motorsport

Extra-Boost für die Beschleunigung: „Das Erlebnis ist schon krass“

Im Kart ist Mats Overhoff fast schon ein Routinier. Im bayerischen Wackersdorf hat der 15-jährige Marler dennoch gerade eine völlig neue Rennerfahrung gemacht: als Fahrer in der Deutschen Elektro-Kart-Meisterschaft.
Völlig neues Renngefühl: : Der Marler Mats Overhoff (Nr. 418) bei seiner Premiere in der Deutschen Elektro-Kart-Meisterschaft in Wackersdorf. © Traudl Reindl

Wenn von einem jungen Motorsportler die Rede ist, dann ist das Bild vom „Benzin im Blut“ meist nicht weit. Es trifft auch auf Mats Overhoff, Kartsport-Talent aus Marl, zu. Motorsportfan ist der Schüler, seit er als Kind mit seinem Vater zu Hause im TV Formel-1-Rennen oder die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft verfolgt hat.

„Ich habe ihn damals gefragt: Wie wird man das?“, erzählt der 15-Jährige. Johannes-Gerd Overhoff wusste, wo die meisten Asse ihre Karrieren begonnen hatten: in einem Kart. Seit 2016 sitzt Mats selbst in einem und fährt national wichtige Serien wie die Rotax Max Challenge.

Serie mit einem internationalen Feld

Damit ist er fast schon ein Routinier – und doch hat er am Wochenende eine völlig neue Erfahrung in seinem Sport gemacht. Ganz ohne Benzin. Mats Overhoff gehört ab sofort zum exklusiven Kreis der Fahrer und Fahrerinnen der Deutschen Elektro-Kart-Meisterschaft (DEKM).

Die weltweit erste elektrische Kartserie gibt es seit 2018 und wird vom Deutschen Motorsportbund (DMSB) als professioneller Rennsport geführt. 14 Fahrerinnen und Fahrer aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Portugal, Finnland, den Vereinigten Arabischen Emiraten, USA und Deutschland umfasst das internationale Feld. Nun ist auch ein Fahrer aus Marl dabei.

Von null auf 100 in drei Sekunden

Ein Kart mit einem alternativen Antrieb, dem die Zukunft gehört? Mats Overhoff musste nicht lange überzeugt werden. „Das Erlebnis ist schon krass. Die E-Karts beschleunigen in drei Sekunden von null auf hundert und sind in der Spitze 135 km/h schnell.“ Trotz eines größeren Gewichts im Vergleich zu den Benzinern. Die sind – je nach Gewicht des Fahrers – rund 60 Kilo leichter.

Auf Rat seines sportlichen Mentors Achim Beule, unter anderem Betreiber eines eigenen Kart-Rennstalls, hatte der Marler vor knapp einem Monat an einer Sichtung teilgenommen. Die DEKM-Organisatoren sind stets auf der Suche nach Fahrern mit Potenzial für die Serie und laden sie ein, mal reinzuschnuppern. Bei Mats Overhoff war es mehr als das: Der 15-Jährige hat sich prompt einen Platz in einem E-Kart gesichert.

Gelungener Einstand in die E-Kart-Serie: Mats Overhoff auf der Rennstrecke Prokart Raceland im bayerischen Wackersdorf. © privat © privat

„Für mich stand schnell fest: Das mach‘ ich. Es ist ein völlig neues Fahrgefühl“, berichtet Mats Overhoff. Das fängt beim leisen Sound der Motoren an, geht weiter über die ungewohnte Vorderradbremse und reicht bis zur Booster-Funktion der Karts. Die kann zuschalten, wer zum Überholen ansetzt oder eine Attacke der Konkurrenz abwehren will: eine Extraportion Energie, die das Fahrzeug für fünf Sekunden beschleunigt und anschließend neu lädt.

Ansonsten? Da geht es auch beim E-Kart-Sport um das, was Motorsport auszeichnet: um Analyse der Leistungsdaten, um die beste Linie in der Kurve, den richtigen Bremspunkt und um Geschwindigkeit. „Über eine Serie wie die DEKM wachsen Nachwuchsfahrer komplett in den professionellen Motosport hinein“, sagt Johannes-Gerd Overhoff.

Platz sechs im ersten Finale

Bei seiner Premiere auf der Prokart Raceland Strecke in Wackersdorf (Bayern) hat Mats Overhoff bewiesen, dass er konkurrenzfähig ist: Rang 11 und 8 in den sogenannten Pre-Finals, ein starker 6. Platz im ersten Finale, im zweiten als Neunter im Ziel, allerdings aufgrund einer Spoilerstrafe am Ende 14. „Ich bin zufrieden“, sagt Mats Overhoff. Mit 23 Punkten liegt er auf Platz zehn der Wertung, Rang sechs ist nur drei Punkte entfernt.

Weitere Stationen der DEKM sind die Motorsportarena Mülsen (Sachsen, 9.-11.7. und 10.-12.9.) und Genk in Belgien (31.7.-1.8.). Wichtige Termine im Rennkalender des Marlers, der sich nun aber fix umstellen muss: Am kommenden Wochenende ist er in der Motorsportarena Stefan Bellof im hessischen Oppenrod wieder gefordert: in der Rotax Max Senior, der Königsklasse des deutschen Kartsports. Ganz ohne Extra-Boost – in einem „gewöhnlichen“ Verbrenner.

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