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Vorsicht ist besser: Springreiter Christian Ahlmann sagt Olympia ab

Die olympischen Reitwettbewerbe in Tokio werden ohne Christian Ahlmann stattfinden. Der Marler gibt nun seinen Verzicht bekannt. Der 46-Jährige hat gute Gründe.
Es reicht nicht für Olympia: Christian Ahlmann und sein hochveranlagtes Pferd Dominator Z werden nicht an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Reiter haben meist einen gewissen Zeitraum im Blick. Bei Christian Ahlmann, der seit rund 20 Jahren in der Weltspitze vertreten ist, ist das natürlich genau so. Ein Fixpunkt im Jahr 2021 waren die Olympischen Spiele in Tokio.

Bei den Wettbewerben der Springreiter, die vom 3. bis 7. August angesetzt sind, wollte der Familienvater bei der Medaillenvergabe ein gehöriges Wörtchen mitreden. Es wären die fünften Olympischen Spiele für Christian Ahlmann gewesen nach Athen (2004), Hongkong (2008), London (2012) und Rio de Janeiro (2016).

Die letzten Prozentpunkte fehlten zuletzt

Das Pferd, das der 46-Jährige seit Monaten vorbereitet, gilt als außergewöhnlich talentiert: Der lackschwarze Hengst Dominator Z, mittlerweile elf Jahre, gilt als Pferd, das selbst die schwersten Parcours gehen kann.

Um den Kampf, in dem es um Zehntelsekunden geht, bestreiten zu können, benötigt es aber eine absolute körperliche Fitness. Und genau die vermisste Christian Ahlmann zuletzt bei seinem vierbeinigen Sportpartner.

„Bei seinem letzten Einsatz in Valkensvaard ist er gut gesprungen“, berichtet der Reiter. „Aber ich hatte das Gefühl: Er kann es besser.“ Eine eingehende Untersuchung in einer Tierklinik brachte dann Gewissheit: Ein Gelenk hatte sich entzündet, zwar nicht dramatisch schwer. „Aber in Extremsituationen, wo einhundert Prozent gesprungen wird, hat es dann nicht gereicht.“

Zeit rennt dem Maler davon

Da die Zeit bis Tokio rennt, hat sich Christian Ahlmann nun dazu entschlossen, Bundestrainer Otto Becker abzusagen. Wer das freundschaftliche Verhältnis der beiden kennt, ahnt, dass das nicht leichtfertig vonstatten ging. Aber es gab offenbar keine Alternative.

„Die Zeit ist einfach zu kurz“, sagt der Marler, der seinem Pferd nun absolute Ruhe verordnet. „Natürlich kann es reichen bis Tokio – theoretisch. Aber etwas über das Knie zu brechen, ist nicht förderlich. Besser ist, man wartet ab.“ Und genau das werde er nun tun.

Die kommenden Turniere wird Christian Ahlmann mit weiteren Pferden aus seinem noch immer üppig bestückten Stall bestreiten. Welche das sein werden und wie der weitere Fahrplan aussieht, ist noch offen. Nach der Absage von Tokio „habe ich erst mal keinen konkreten Plan für die nächsten Wochen“.

2024 ist Dominator Z im besten Alter

Dass die olympischen Reitwettbewerbe wie viele andere Sportveranstaltungen in Tokio coronabedingt unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen stattfinden werden, liegt auf der Hand. „Das wird natürlich eine eher sterile Veranstaltung“, schwant Christian Ahlmann. Profireiter sind das gewohnt: In der letzten Hallensaison, die im Frühjahr 2021 endete, hatten Ahlmann und seine Springreiterkollegen etliche „Geisterspringen“ in fast leeren Hallen bestritten.

Das Thema Olympia ist für Christian Ahlmann damit nicht vorbei. Sein Pferd Dominator Z ist mit elf Jahren gerade erst aus der Youngster-Zeit heraus, bei den nächsten Spielen 2024 in Paris wäre der Hengst 14 Jahre und damit in einem für Springpferde allerbesten Sportleralter.

Hugo Simon und Ludger Beerbaum machten es vor

Ganz im Gegensatz zu dessen Reiter: „Er kann das locker schaffen“, scherzt Christian Ahlmann (46). „Bei mir wird‘s da schon etwas enger.“

Wenn‘s ein Trost ist: Hugo Simon hatte sein Erfolgspferd E.T 1996 bei Olympia unter Order – da war der knubbelige Österreicher bereits 54 Jahre alt. Als Vierter der Einzelwertung schrammte Simon nur knapp an Edelmetall vorbei. Und Ludger Beerbaum war 2016 in Rio auch schon fast 53 Jahre alt, als er Mannschaftsbronze holte – zusammen mit Christian Ahlmann im übrigen.

Deutschlands Olympiakader schrumpft

Nominell nur noch aus drei Reitern besteht aktuell der deutsche Olympiakader: Marcus Ehning, Daniel Deußer und Maurice Tebbel. Vor Christian Ahlmann hatte bereits Simone Blum ihren Verzicht auf Tokio bekanntgegeben, auch ihr Erfolgspferd Alice ist nicht fit. Bundestrainer Otto Becker muss schnell handeln. Auch wenn für Tokio nur vier statt bislang fünf Teilnehmer für den Teamwettbewerb der Springreiter genannt werden dürfen, muss ein Ersatzreiter nominiert werden. Nominierungsschluss ist 5. Juli.

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