Ringen

KSV 20 Erkenschwick will die Ringerabteilung wiederbeleben

Der letzte Mannschafts-Wettkampf fand vor knapp zwölf Jahren statt. Seit 2010 existiert die Ringer-Abteilung des KSV 20 Erkenschwick praktisch nur noch auf dem Papier. Das könnte sich ändern.
Viele Talente hat die Ringerabteilung des KSV 20 Erkenschwick schon hervorgebracht. Kevin Schoska gehört sicher dazu. Der heute 34-Jährige, hier noch als junger Mann bei der Landesmeisterschaft 2009 in der Willi-Winter-Halle, ist heute als Jugendtrainer für den Verband tätig. © Mabroor Ahmad

Der Oer-Erkenschwicker Carsten Schäfer (49) ist seit Jahren Chef in der Ringerabteilung des KSV 20 Erkenschwick und auch sonst nahezu täglich mit seinem Sport beschäftigt. Vizepräsident des Ringerverbandes Nordrhein-Westfalen war er 23 Jahre, seit 2018 ist er dessen Geschäftsführer.

59 Vereine im Ringerverband NRW

Und natürlich hat er die Entwicklung im Ringersport beobachtet wie kaum jemand sonst. 51 Vereine bieten aktuell Ringen in NRW an, dazu kommen noch acht Klubs aus Holland und Belgien, die vollwertige Mitglieder im Landesverband sind. Der KSV 20 Erkenschwick gehört dazu. Doch seit über zehn Jahren sind hier keine Kämpfer mehr auf die Matten in der Sporthalle der Realschule gegangen. Das soll sich ändern, wie Carsten Schäfer sagt.

Schoska und Storck sind die letzten großen Talente

„Viele Vereine unterliegen dem Irrglauben, dass sie Ringen nur anbieten können, wenn sie auch eine Mannschaft im Ligabetrieb gemeldet haben“, sagt Schäfer. Viele „Eintagsfliegen“, also Vereine, die sich nicht länger als fünf Jahre gehalten haben, hat er so in den letzten Jahren erlebt. „Weil bei denen die Nachhaltigkeit gefehlt hat und sie alles von der Existenz einer Mannschaft abhängig gemacht haben“, weiß Schäfer. Ähnlich war es auch beim KSV 20 Erkenschwick, lange Jahre eine der großen Talentschmieden in NRW. Aus ihr gingen Kämpfer wie Kevin Schoska (34) oder Alex Storck (30) hervor, die als Junioren sogar für Deutschland international kämpften und die in der Ersten und Zweiten Bundesliga für die großen Klubs antraten.

Seit Dezember 2009 keine Mannschaft mehr gemeldet

Der letzte Mannschaftskampf mit Oer-Erkenschwicker Beteiligung liegt indes lange zurück, fand im Dezember 2009 statt. Damals schon hatte der KSV mangels Masse keine eigene Mannschaft mehr auf die Matten schicken können, versuchte es in einer Kampfgemeinschaft mit dem KSV Westerfilde. „Den Verein gibt es inzwischen auch nicht mehr“, sagt Schäfer. Doch der 49-Jährige hofft, dass es bald zumindest im Nachwuchsbereich wieder aufwärts gehen kann beim Kraftsportverein von 1920.

Neuer Ringertrainer kommt aus Rostock

Lange war Schäfer auf der Suche nach einem geeigneten Trainer. „Damit steht und fällt alles“, sagt er. Eher durch Zufall hat der Abteilungsleiter jetzt in Burkhardt Schulz den geeigneten Mann für den Job gefunden. „Wir kennen uns schon seit über 30 Jahren und im letzten Sommer ist Burkhardt von Rostock, wo er viele Jahre gelebt hat, nach Oer-Erkenschwick gezogen. Er ist mir quasi zugelaufen und er hat uns seine Hilfe angeboten“, erzählt Schäfer. Der gebürtige Magdeburger Burkhardt Schulz ist bereits 72 Jahre alt und kann auf ein bewegtes Leben als Ringer-Trainer zurückblicken. „Er ist noch immer topfit und voller Tatendrang. Und er hat sehr viel Erfahrung, gerade im Nachwuchsbereich“, versichert Schäfer.

Schul-AGs und Jugendtraining sind geplant

Schon im Sommer des vergangenen Jahres hatten beide erste Pläne geschmiedet, wie man im KSV die Ringerabteilung, die aktuell noch 25 passive Mitglieder hat, wiederbeleben könne. Eine durchaus erfolgreiche Schul-AG in Zusammenarbeit mit der Paul-Gerhardt-Schule hatte es vor den Sommerferien gegeben, ehe im November die zweite Corona-Welle zuschlug. „Jetzt sieht es ja so aus, als ob wir bald wieder Kontaktsport betreiben können“, hofft Schäfer. Nach den Sommerferien soll daher die Zusammenarbeit mit den Schulen wieder fortgesetzt werden. Zudem will Schäfer auch ein- bis zweimal pro Woche ein Training für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren in der Realschulhalle anbieten. Die Gespräche mit der Stadt und dem Stadtsportverband laufen. Und wer weiß, vielleicht wird es in ein paar Jahren auch wieder Ringkämpfe in Oer-Erkenschwick zu sehen geben.

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