Fußball

Goldjubiläum in Hochlar – so geschah der erste Bezirksliga-Aufstieg

Das waren noch Zeiten. Vor 50 Jahren feierte der SV Hochlar 28 erstmals den Aufstieg in die Bezirksliga. Grund genug für ein launiges Wiedersehen.
Das Hochlarer Erfolgsteam von 1971: (Obere Reihe v.l.).: Paul Borß (Betreuer), Uwe Biller, Hans-Willi Eifert, Jürgen Pelger, Dieter Matena, Werner Wölting, Detlef von Schamann, Hubert Danihelka, Dieter Sadowski, Werner Osterfeld (Trainer), Untere Reihe v.l. Rainer Marpe, Gebhard Marpe, Michael Mika, Karl-Heinz Baischer, Karl-Heinz Jägel, Willi Lindner, Manfred Biermann. © Privat

Besondere Jubiläen haben auch eine besondere Vorbereitung verdient. Im Vereinsheim des SV Hochlar 28 kann man das in diesen Tagen geradezu spüren. Die Wände sind mit Zeitungsartikeln verziert. Kein Wunder, denn vor 50 Jahren wurde ein Stück Hochlarer Sportgeschichte geschrieben. Erstmals heiß es: Bezirksliga, wir kommen.

Wie viele Stunden Hubert Danihelka nun damit verbracht, diesen Tag gebührend aufzuarbeiten, der Mann kann es auch nicht mehr selbst abschätzen. Mit Unterstützung des Archivs des Medienhauses Bauer stellte Danihelka eine kleine Ausstellung zusammen und lud zum Aufstiegs-Goldjubiläum all jene ein, die mit diesem famosen und an Spannung kaum noch zu überbietenden Aufstieg zu tun hatten. Und Hochlarer Urgesteine wie der Fußballkreis-Vorsitzende Hans-Otto Matthey (1971 noch ganz junger Geschäftsführer am Segensberg) oder der damalige Vereinswirt und Klub-Vize Hermann Marpe schwelgten ebenso in Erinnerungen wie der aktuelle Vorstand um Hugo Böker und Hermann Lueg.

1200 Zuschauer in der Viktoria-Kampfbahn

Weißt Du noch? Es war einer der meist gebrauchten Sätze gleich zu Beginn des „Veteranen-Treffens“. Hubert Danihelka erinnert sich gern an den Aufstiegskampf, der 1971 die Massen geradezu elektrisierte. „Vestia Disteln, der TSV Marl-Hüls II und wir mussten die Geschichte über Entscheidungsspiele regeln“, erinnert sich Danihelka noch heute gern an Partien vor rund 1200 Zuschauern in der legendären Viktoria-Kampfbahn und sagt: „Für Kreisliga-Verhältnisse waren das technisch hochklassige und zum Teil dramatischen Spiele.“

50 Jahre nach dem Aufstieg in die Bezirksliga trafen sich die „Veteranen“ des SV Hochlar 28 und ließen die Saison noch einmal Revue passieren. © Jochen Börger © Jochen Börger

Das Los musste bestimmen

Die Krönung indes war eine ganz andere Geschichte: Nach den ersten drei Spielen waren wieder alle drei Vereine punktgleich. Eine erneute Entscheidungsrunde war die Folge – und notfalls sollte per Los der Aufsteiger ermittelt werden. Und nachdem die Hochlarer und Hülser gleichauf waren, kam es genau dazu. Das Los fiel auf die Recklinghäuser – es sind jene Momente, da will man seinen Verein einfach nur in „Fortuna“ umbenennen.

Und noch mal eine Aufstiegsrunde

Aber von wegen nun Freibier für alle und lasset die Korken knallen! Anno 1971 war in Sachen Aufstieg eine ziemlich komplizierte Gemengelage angesagt. Für die drei Meister der A-Kreisligen West (SV Hochlar 28), Ost (Union 05) und Borken (TuS Borken) gab es nur zwei Aufstiegsplätze in die Bezirksliga. Also: Machen wir eben noch eine Aufstiegsrunde! Die Borkener spielten ihren Stiefel mal ganz locker runter und standen schnell als erster Aufsteiger fest. „Niemand wollte noch auf unseren Aufstieg wetten“, erinnert sich Hubert Danihelka. Wohl auch der eigene Trainer Berger nicht – der verabschiedete sich kurzerhand schon mal in den Urlaub…

Als der Trainer schon im Urlaub war

Mittendrin: Werner Osterfeld, Hochlarer Interimstrainer – ein Mann mit dem richtigen Näschen, der die Wende einleiten sollte. Nur bei einem Sieg beim hohen Favoriten TuS Borken konnten die Segensberger den Aufstieg noch realisieren. „Es war ein brütend heißer Tag und wir lagen schnell mit 0:1 im Rückstand“, erinnert sich Danihelka.

Dieter Matena wird zum Aufstiegshelden

Dann kommt direkt nach der Pause die Wende: Gebhard Marke, gerade von einem Schlüsselbeinbruch genesen, wird elfmeterreif gefoult. Uwe Biller verwandelt zum 1:1, doch die Borkener legen sofort den zweiten Treffer nach. Doch die Hochlarer kämpfen bis zum Umfallen, Dieter Sadowski markiert nach 65 Minuten den erneuten Ausgleich. Nur noch ein Treffer fehlt zum Aufstieg, da naht die 81. Minute: Irgendwie rutscht der Ball auf dem holprigen Geläuf zu Dieter Matena, der gleichsam glücklich wie gekonnt zum 3:2 einschiebt.

Neun Minuten später brechen alle Dämme. Schlusspfiff, Aufstieg, Jubelarien: „Nach dem Abpfiff haben wir ziemlich gute Kondition gezeigt“, lacht Hubert Danihelka.

50 Jahre später übrigens auch. Es wurde ein langer Feier-Tag.

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