Baseball

Schlagfertig für die Bundesliga

Lange war es fraglich, seit wenigen Wochen steht fest: Es gibt eine Bundesliga-Saison im Baseball. Das freut die Dortmund Wanderers - und eins ihrer größten Talente, die der Klub aufbietet.
Jadell Dohle aus Recklinghausen, 15-jähriges Talent, freut sich auf die kommende Saison im Baseball. Der Schüler aus dem Stadtteil König-Ludwig ist im Bundesliga-Kader der Dortmund Wanderers das jüngste Mitglied. © Olaf Krimpmann

15 Jahre jung ist Jadell Dohle, und ernsthaft betreibt er den Baseballsport erst seit wenigen Jahren. Wenn am Samstag, 15. Mai, die Dortmund Wanderers um 13 Uhr zum Bundesligaauftakt die Solingen Alligators im Hoeschpark erwarten, dann wird der Recklinghäuser zum Kader gehören.

Trainer Roy Wesche ist überzeugt: „Jadell ist wie ein Edelstein.“ Allerdings einer, der noch zurecht geschliffen werden muss. Dazu wird Dohle, der die Gesamtschule in Suderwich besucht, in den kommenden Wochen reichlich Gelegenheit bekommen.

Im Urlaub hat es dann klick gemacht

Aber wie kommt ein Junge zum Baseball, einem Sport, der in Europa ein Nischendasein fristet? Irgendwie, so berichtet Jason Dohle, habe ihn das Spiel immer fasziniert. Das Werfen habe er frühzeitig geübt, anfangs noch auf der Straße mit einem Freund. Bei einem Urlaub in der Karibik habe es dann endgültig klick gemacht.

Baseball ist zwar neben Football, Basketball und Eishockey eine der Hauptsportarten in den USA, wo es traditionell das meiste Geld zu verdienen gibt. In vielen lateinamerikanischen Ländern genießt Baseball ebenfalls den Status eines Nationalsports. Auch etliche Spieler der Dortmund Wanderers haben ihre Wurzeln in der Karibik und Südamerika, etwa in Venezuela und der Dominikanischen Republik.

Von den Marler Sly Dogs zu den Dortmund Wanderers

Was Jadell Dohle auszeichnet: Der Recklinghäuser, mittlerweile schon etwa 1,80 Meter groß, hat binnen kürzester Zeit den Anschluss an die Bundesliga-Mannschaft gefunden. In einem Team gespielt hatte Dohle erstmals als 13-Jähriger bei den Marler Sly Dogs. Als die jedoch keine Mannschaft in der U15 zusammenbekamen, sei sein Sohn eben nach Dortmund gewechselt, berichtet Norbert Dohle, sein Vater.

Die Wanderers sind der einzige Bundesligist im Revier und entsprechend breit in den Nachwuchsklassen aufgestellt. Schon als 14-Jähriger durfte Jason Dohle aufgrund einer Sondergenehmigung bei den Wanderers in der zweiten Seniorenmannschaft in der NRW-Liga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse, spielen. In der letzten Spielzeit war er als „Warm-up-Cather“ bereits Teil des Bundesligateams.

„Papa Norbert“ ist Chauffeur, Mentor und Kritiker zugleich

Dreimal die Woche steht im Hoeschpark Training an, dazu kommen an Wochenenden die Spiele. Norbert Dohle, mittlerweile Geschäftsführer bei den Wanderers, den alle nur „Papa Norbert“ nennen, weil er unter anderem die neu hinzugekommenen ausländischen Spieler betreut („Wenn die Sorgen haben, kümmere ich mich darum“), ist Chauffeur, Mentor, Kritiker und Lebensbegleiter in Personalunion für seinen Sohn, der fließend spanisch spricht. Was auf dem Feld von Vorteil ist, wenn das halbe Team aus lateinamerikanischen Staaten stammt.

Zwei Spiele an einem Tag

Spiele in der zweigeteilten Baseball Bundesliga werden als sogenannte „Doubleheader“ gespielt. Das heißt, beide Teams stehen sich im Hoeschpark zweimal gegenüber. Die Dortmund Wanderers treffen also am Samstag um 13 und um 16 Uhr auf die Solingen Alligators. Zuschauer sind nicht zugelassen, die Tribünen bleiben gesperrt.

Aber wie ordnet sich das Talent Jason Dohle selbst ein? „Es ist schon sehr interessant, wie die Entwicklung in den letzten drei Jahren verlaufen ist“, sagt der Schüler mit einer bemerkenswerten Ruhe in der Stimme. „Aber man merkt, dass mir noch viel Erfahrung fehlt.“

Jadell Dohle aus Recklinghausen, 15-jähriges Talent, freut sich auf die kommende Saison im Baseball. Der Schüler aus dem Stadtteil König-Ludwig ist im Bundesliga-Kader der Dortmund Wanderers das jüngste Mitglied. Rechts im Bild Headcoach Roy Wesche. © Olaf Krimpmann © Olaf Krimpmann

Erfahrung, Cleverness, die berühmte Abgezocktheit sind die eine Seite, die andere ist die körperliche Konstitution. In der Bundesliga werden Bälle vom so genannten Pitcher mit bis zu 90 Meilen in der Stunde geworfen, es gibt unendlich viele Wurfvarianten, die dem Batter einen gelungenen Schlag verhageln können. In den Testspielen hat sich Jadell Dohle schon mit einigen abgezockten Spielern messen dürfen. Sein Fazit: In der Bundesliga geht es noch einmal anders zur Sache als in der NRW-Liga.

„Er wird ein paar Mal auf die Schnauze fallen“

Trainer Roy Wesche will ihm nicht zu viel Spielzeit versprechen für die anstehende Saison, garantiert ihm aber Einsätze: „Sicher wird er ein paar Mal auf die Schnauze fallen, aber das bringt ihn weiter.“ Man dürfe nie vergessen: Dass ein 15-Jähriger in einen Erstligakader hochrücke, sei die absolute Ausnahme und nicht die Regel. „Und Jadell hat es sich verdient“, sagt Roy Wesche, Dortmunds Bundesligacoach. „Er hat den Ehrgeiz und versucht im Training, alles schnell umzusetzen. Aber wir Trainer und seine Mitspieler sind nicht hier um ihm zu sagen, wie toll er werfen kann, sondern um sein Talent noch weiter zu fördern.“

Schon jetzt mehr Talent als es der Trainer in dem Alter hatte

Was nichts anderes heißt, als den noch rohen Diamanten fleißig weiter zu schleifen. Am Ende kommt dann doch ein kleines Lob über die Lippen den engagierten Headcoaches: „Also ich war mit 16 Jahren noch nicht so weit wie Jadell jetzt mit 15.“

Jadell Dohle erwartet als Batter den vom Pitcher geworfenen Ball. © Olaf Krimpmann © Olaf Krimpmann

Vom Schlagball zum Baseball

Baseball ist ein Schlagballspiel mit zwei Mannschaften. Die Verteidiger bringen einen Ball ins Spiel, den die Angreifer mit einem Schläger treffen müssen. Wurde der Ball erfolgreich getroffen, können die Angreifer durch das Ablaufen von vier Laufmalen (bases) Punkte erzielen. Die Verteidiger versuchen dies zu verhindern, indem sie den geschlagenen Ball vorher zum Laufmal werfen.

Das amerikanische Baseball ist aus europäischen Schlagball-Varianten des 18. Jahrhunderts hervorgegangen. Auswanderer brachten das Spiel in die Vereinigten Staaten, wo ab Mitte des 19. Jahrhunderts die heutigen Regeln entwickelt wurden. (Quelle: Wikipedia)

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