Fußball

Die Uhr tickt: Kreisvorsitzender appelliert an die Vereine

Nach Norwegen führt (noch) kein Weg: Der Fußballkreis diskutiert alternative Spielmodelle, Hans-Otto Matthey mahnt die Klubs: „Es ist fünf nach 12!“ So lief die Arbeitstagung in Recklinghausen.
Seine letzte Saison: Als Vorsitzender im Kreisfußballausschuss führt Andreas Mermann aktuell durch die Arbeitstagungen der Vereine und organisiert den Spielbetrieb. Im kommenden Jahr will er die Aufgabe in andere Hände übergeben und sich auf die Schiedsrichterausbildung konzentrieren. © Thomas Braucks (Archiv)

Früher wurden auf Arbeitstagungen des Fußballkreises Recklinghausen die Meister geehrt und über Spielpläne gestritten. Und heute, da ein Virus das Land und den Sport fest im Griff hat? Werden Stoßgebete Richtung Himmel geschickt. „Ich wünsche uns allen eine Saison“, sagte Andreas Mermann am Ende fast flehentlich. „Eine Saison, die wir zu Ende spielen können.“ Treffender hätte es der Vorsitzende des Kreisfußballausschusses (KFA) nicht formulieren können.

Alles hängt an Corona

Denn ob es so kommt, wie der Fußballkreis und seine Vereine planen, entscheidet sich nicht auf dem Platz. Alles hängt an der Lage in der Pandemie. Die Sache sei ja leicht auszurechnen, meinte Andreas Mermann: Rutschen Kreis und Land in die Inzidenzstufe 2 (derzeit gilt Stufe 1), sei Amateurfußball nicht möglich. „Jedenfalls nicht nach den aktuellen Coronaregeln. Wir können da nur auf die nächste Auflage der Schutzverordnung im August hoffen.“

Zuvor wurde im Vereinsheim von Schwarz-Weiß Röllinghausen aber rund 90 Minuten über Fußball gesprochen – und teils sogar lebhaft diskutiert. Zum Beispiel über das sogenannte „Norweger Modell“, das vor allem im Frauen- und Mädchenfußball längst praktiziert wird. Es will den Fußballbetrieb an der Basis flexibler machen.

Danach könnte eine Mannschaft mit überschaubarem Kader gegenüber dem Verband erklären, nur mit neun Spielerinnen oder Spielern aufzulaufen. In diesem Fall wäre auch der Gegner verpflichtet, zu neunt zu spielen – ganz gleich, wie groß der Kader auch ist. Wird dies im Fußballkreis in der Kreisliga C möglich?

Norweger Modell hat noch keine Chance

„Der demographische Wandel geht auch am Fußball nicht vorbei“, argumentierte Marcus Voigt (TuS 05 Sinsen). Der Kreis sollte daher jedes Mittel nutzen, um aktive Fußballer bei der Stange zu halten. „Neun gegen Neun: Sind wir wirklich schon so weit?“, hielt Hans-Otto Matthey dagegen. Der Kreisvorsitzende plädierte dafür, besser über Spielgemeinschaften nachzudenken. Am Ende fiel das Votum eindeutig aus: Die Mehrheit wollte nicht. Derzeit spricht also viel dafür, dass Norwegen (noch) keine Lösung für die personellen Sorgen im Kreis ist.

Umbruch kündigt sich an

Personelle Sorgen: Dies war das Stichwort für Hans-Otto Matthey. Der wandte sich mit einer Art Brandrede an die Versammlung und erinnerte nachdrücklich an das, was im kommenden Jahr blüht. Dann nämlich wird sich ein personeller Umbruch vollziehen, wie es ihn in mehr als zwei Jahrzehnte nicht gegeben hat. Matthey, KFA-Chef Mermann, Kreiskassierer Klaus Roschkowski und Schiedsrichter-Boss Harald Woller: Sie alle räumen beim Kreistag im April 2022 ihre Posten.

Matthey appellierte: Die Ehrenamtlichen in den Vereinen, gestandene wie junge, müssten nun aus der Deckung kommen. Es brauche bald Kandidaten und Kandidatinnen. „Es ist mittlerweile fünf nach Zwölf. Ich möchte nicht erleben, dass der große Fußballkreis Recklinghausen aus Kaiserau gesteuert werden muss.“

Mermann steht nicht zur Verfügung

Denn ist ein Kreis nicht handlungsfähig, übernimmt die Verbandszentrale, also der FLVW. Fest steht inzwischen: Andreas Mermann steht als Nachfolger Mattheys nicht zur Verfügung. Hier und da im Kreis wurde der 58-Jährige zuletzt als ein möglicher Kandidat gehandelt. Der hat zwar zugesagt, noch den Spielbetrieb in der kommenden Saison organisieren. Danach möchte Andreas Mermann sich aber auf das konzentrieren, was ihm am meisten Spaß mache: Schiedsrichter ausbilden, beobachten und coachen. Im Verband wie im Kreis. „Daneben habe ich ja auch noch einen Job. Irgendwann wird es zu viel.“ Klar ist: Für den Fußballkreis tickt die Uhr.

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