Fußball

Es rumort an der Basis – Kellers Äußerungen stoßen auf Unmut

Nach den umstrittenen Aussagen von Fritz Keller wächst die Kritik an dem DFB-Präsidenten. Es rumort an der Basis, wie eine Umfrage unter den Vereinsfunktionären ergab.
DFB-Präsident Fritz Keller steht nach seinen Äußerungen in der Kritik. © AFP

Hans-Otto Matthey ist Realist: Als DFB-Präsident werde Fritz Keller kaum noch eine Zukunft haben, sagt der Vorsitzende des Fußballkreises Recklinghausen: „Diese Entgleisung war Mist. Selbst wenn er sich dafür entscheidet, weiterzumachen – er hat alle Landesfürsten gegen sich. Das würde schwer.“

Persönlich hätte Matthey den DFB-Präsidenten allerdings nicht zum Rücktritt aufgefordert. „Ich hätte mir gewünscht, dass man das intern geklärt hätte und er weitermacht. Fritz Keller habe ich zugetraut, dass er Positives für Amateure bewirkt.“

„Mir fehlt die Transparenz“

Wenn nun aber schon öffentlich diskutiert werde, dann doch bitte auf Grundlage von Fakten: „Mir fehlt da die Transparenz. Die Entgleisung hat ja ihre Gründe.“ Die würden sicher auch andere hochrangige DFB-Funktionäre in keinem guten Licht erscheinen lassen. Den Verband jedenfalls sieht Matthey in schwerer See: „Zwanziger, Niersbach, Grindel, Keller sind weg – jetzt kommt der nächste DFB-Präsident, der dann wieder bei Null anfängt. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht lächerlich machen.“

„Mehr als nur ein einfacher Fauxpas“

Die Rücktrittsforderungen an Keller sind in diesen Tagen jedenfalls ein großes Gesprächsthema auch bei vielen Funktionären bei den Vereinen im Kreis Recklinghausen. Friedhelm Finzel, Vorsitzender des VfB Waltrop, hat zu den Äußerungen von Fritz Keller eine klare Meinung, mit der er nicht alleine steht. „Das war ja schon mehr als nur ein einfacher Fauxpas, den man jetzt so einfach abtun kann.“

Der Frust an der Basis verstärke sich durch solche Vorkommnisse. Auch in der Außendarstellung gebe der DFB aktuell kein gutes Bild ab. „Was sollen denn nur Eltern denken, wenn ihr Kind Fußball spielen möchte?“, fragt Finzel. Eine Patentlösung, wer den DFB führen könne, sei aber aktuell schwer zu finden.

„Strukturelles Problem“

Das sieht Michael Bartz, Klubchef des SSC Recklinghausen, genauso: „Unabhängig davon, dass die Aussage von Fritz Keller mit nichts zu rechtfertigen ist, haben wir doch ein strukturelles Problem an der DFB-Spitze mit den handelnden Personen.“ In Kellers Zeit als Präsident beim SC Freiburg sei er ihm durchaus sympathisch gewesen, bekennt Bartz. Mit den jüngsten Aussagen sei das Ganze aber zu relativieren. Auch der SSC-Präsident plädiert für einen Neuanfang. „Fragt sich nur mit wem?“

„Als Amateur siehst du für weniger die Rote Karte“

„Wenn du als Amateurspieler dem Schiri auf dem Platz sagst, dass er doch mal die Augen aufmachen soll, dann bekommst du gleich die Rote Karte. Als Repräsentant des gesamten deutschen Fußballs einen solchen Vergleich zu ziehen, geht gar nicht“, sagt Klaus Lanczek, Vorsitzender des FC Marl. „So ein Fauxpas darf einem solchen Mann nicht passieren. Das ist durch nichts zu entschuldigen. So zornig kann man gar nicht sein, dass man einen solchen Vergleich zieht“, meint der FCM-Klubchef und plädiert gleich für einen kompletten Neuaufbau im DFB-Präsidium. „Da müssen Leute hin, die unbedarft an die Sache rangehen und die wieder näher an den Amateuren sind.“

Marc Schmülling, 2. Vorsitzender von SV Borussia Ahsen, hofft, dass der DFB die notwendigen Schlüsse zieht: „Solch ein Vergleich, wie Herr Keller ihn gezogen hat, geht gar nicht. Das muss Konsequenzen haben.“

“Der Mann gehört hinter Schloss und Riegel!“

Sein Sky-Abo hat Andreas Artmann, Vorsitzender von GW Erkenschwick, längst gekündigt. „Aus Frust, weil die großen Vereine einfach weiterspielen und mir auf der anderen Seite das Herz blutet, wenn ich unsere Jugendlichen am Tor wieder nach Hause schicken muss.“ Dass überhaupt noch darüber diskutiert wird, ob Fritz Keller zurücktreten solle oder nicht, das kann Artmann nicht nachvollziehen. „Wenn ich hier solch einen Vergleich gezogen hätte, wäre ich morgen nicht mehr Vorsitzender von GW Erkenschwick.“ Der GWE-Chef geht sogar noch einen Schritt weiter: „Nach dieser Aussage gehört der Mann für mich hinter Schloss und Riegel!“

Amateure sind nur die Klatschpappenhalter

So weit will Andreas Weidner zwar nicht gehen. Aber für den Vorsitzenden des SV Vestia Disteln steht ein Rücktritt von Fritz Keller außer Frage: „In seiner Position muss er wissen, was er sagen darf.“ Der Zoff an der Verbandsspitze ist für Weidner ein weiterer Beleg, wie sehr sich der Fußball von der Basis verabschiedet hat. Anstatt sich dafür einzusetzen, dass die Amateure wieder auf den Platz dürfen, notfalls per Klage (Weidner: „Wann sollen denn alle Kinder wieder spielen dürfen?“), sei man nur mit sich selbst beschäftigt und renne dem Mammon aus dem Profibereich hinterher. Weidner: „Wir Amateure sind doch nur die Klatschpappenhalter für die Großkopferten.“

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