Amateurfußball

Handspiel: Mehr Freiheit, aber auch größere Verantwortung für die Schiris

Im Juli stimmt der Fußballkreis seine Schiedsrichter auf die neue Saison ein. Auf der Tagesordnung steht dann auch die zuletzt heiß diskutierte Regel 12: Handspiel. Schon wieder. Wird es nun leichter für die Unparteiischen?
In dieser Szene bietet auch die neue Regel keinen Spielraum für Schiedsrichter: Wer Handball spielt, wird zurückgepfiffen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Anfang Juli trommelt Harald Woller die Schiedsrichter aus dem Fußballkreis zusammen. Zunächst in Recklinghausen, später auch in Gemen. Es werden die ersten Präsenzveranstaltungen seit langer Zeit. Mit den Lehrwarten Thomas Bäger und Johannes Westermann will der Vorsitzende der Kreis-Schiedsrichter die Unparteiischen auf die neue Saison einstimmen.

Spätestens beim Tagesordnungspunkt „Regeln“, so vermutet Harald Woller, werden die einen tief durchatmen und die anderen mit den Augen rollen. Wieder mal steht Regel 12 im Mittelpunkt: Handspiel. „Viele werden denken: Nicht schon wieder!“ Auch Woller findet: „Irgendwann müsste es mal gut sein.“

Regeldiskussionen im Sommerloch

Seit Jahren füllt die Diskussion verlässlich das Sommerloch der Schiedsrichter. Mit jeder Neuauslegung sollte die Sache einfacher und klarer werden. Tatsächlich wurde sie von Saison zu Saison komplizierter.

Die Armhaltung, der Grad der Abspreizung, Schulter oder nicht mehr Schulter: Kriterien wie diese sollten in die Entscheidungsfindung einfließen. Fast unlösbar vor allem für Schiedsrichter im Amateurbereich, die bis zur Bezirksliga allein auf dem Platz stehen. Ohne Assistenten oder gar Videounterstützung.

„Das ist eine Klarstellung“

Nun hat das IFAB, das über die Regeln des Fußballs wacht, den Handspiel-Paragraphen pünktlich zur Europameisterschaft schon wieder überarbeitet. Ab Juli gilt dies überall – von der Bundesliga bis zur Kreisliga C.

Diesmal aber, so Harald Woller, könnte die Arbeit der Unparteiischen einfacher werden. „Aus meiner Sicht ist das tatsächlich eine Klarstellung.“

Zurück zu einem alten Grundsatz

Die Handspielregel wurde von acht auf drei Unterpunkte verkürzt. Dabei kehrt der Fußball zu einem Prinzip zurück, das es schon einmal gab. Das entscheidende Kriterium ist ab sofort wieder die Absicht.

  • Bewegt ein Spieler absichtlich Hand oder Arm zum Ball, muss der Schiedsrichter pfeifen. Ebenso, wenn ein Spieler seinen Körper unnatürlich vergrößert, um einen Ball aufzuhalten. Berührt der Ball den Arm oder die Hand bei einer natürlichen Körperbewegung, bleibt der Pfiff aus.
  • Ausnahme: Mit der Hand oder Arm kann man weiter keinen Treffer erzielen. Ganz egal ob Absicht vorliegt oder nicht, ob die Köperhaltung natürlich oder unnatürlich ist. Allerdings: Bei der Vorbereitung des Tores gilt das nicht. Springt etwa dem Passgeber bei der Vorlage der Ball an die Hand, so ist der Treffer zu werten.

Westermann begrüßt die Entscheidung

Allerdings: Kommt auf die Schiris damit nicht eine größere Verantwortung zu? Weil sie nun jedes Handspiel bewerten müssen? Johannes Westermann, Lehrwart im Schiedsrichterausschuss und aktiver Unparteiischer, begrüßt das: „Die neue Handspielregel gibt uns wieder etwas mehr Entscheidungsfreiheit. Die hat mir zuletzt gefehlt.“ Die Freiheit, auch mal nicht zu pfeifen, wenn offensichtlich keine Absicht vorliegt.

Europameisterschaft als Vorbild

Wie gepfiffen wird, können Schiedsrichter und Kicker aktuell bei der Europameisterschaft schon beobachten. Im Eröffnungsspiel zum Beispiel: Als der italienische Angreifer Spinazzola dem türkischen Verteidiger Celik im „16er“ den Ball an den Arm schoss, ließ Schiedsrichter Danny Makkelie weiterspielen. Harald Woller: „Das wäre früher wohl ein Elfmeter gewesen, auch unsere Schiedsrichter hätten da gepfiffen.“

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