Fußball

Neidisch auf Nadine

Sebastian Westerhoff teilt aktuell das Los von hunderttausenden Kickern und Trainern: Er ist zur Untätigkeit verurteilt. Ganz im Gegensatz zu seiner Ehefrau Nadine...
Wann darf Sebastian Westerhoff wieder raus auf den Platz? Der 35-Jährige weiß es auch nicht, der Fußball fehlt ihm wie vielen seiner Trainerkollegen und Spielern. © Olaf Krimpmann

„Wester“ ist mittlerweile 35 Jahre, er hat seine fußballerischen Spuren unter anderem bei der Spvgg. Erkenschwick und dem TSV Marl-Hüls hinterlassen. Jetzt ist er seit fast zwei Jahren als Trainer engagiert beim Westfalenligisten DSC Wanne-Eickel. Hier wie im gesamten Bundesgebiet wurde der Fußball durch Corona ausgebremst. „Ich bin schon ein wenig neidisch auf Nadine“, sagt Sebastian Westerhoff. „Sie hat‘s besser gerade.“

Wochenenden sind mittlerweile Papa-Tage

Nadine Westerhoff packt ihre Sporttasche regelmäßig, aktuell zweimal in der Woche: Mittwochs steht eine der erfahrensten deutschen Schiedsrichterinnen (die 38-Jährige leitete im letzten Juli das DFB-Pokalfinale der Frauen zwischen VfL Wolfsburg und SG Essen-Schönebeck) oft in der Regionalliga West der Männer an der Linie. Am Wochenende leitet die gebürtige Castrop-Rauxelerin Partien der 1. und 2. Frauenfußball-Bundesliga. „Der Mittwoch und die Wochenenden sind dann halt Papa-Tage“, sagt Sebastian Westerhoff.

Um den dreieinhalbjährigen Nachwuchs kümmert sich dann also der heute 35-Jährige allein. Zum Glück hat Töchterchen Lea von beiden Elternteilen ausreichend Fußballergene vererbt bekommen: „Sie fragt oft: Papa, können wir Fußball spielen?“

Bisheriger Höhepunkt ihrert Laufbahn: Schiedsrichterin Nadine Westerhoff leitet das DFB-Pokalfinale der Frauen zwischen VfL Wolfsburg und SGS Essen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

So sehr Sebastian Westerhoff seine Vaterrolle aktuell genießt und so sehr er seiner Frau Nadine ihren Sport gönnt: Zurück auf den Platz zieht es auch „Wester“ mit Macht. Als Vollblutkicker, der im Jahr 2002 mit der U17 des FC Schalke 04 Deutscher Meister war, fehlt ihm der Ball wie kaum einem anderen. Als Spieler hat er dabei im Amateurbereich einiges erreicht, Aufstiege und Meisterschaften gefeiert. Als Trainer bleibt er unvollendet: „Seit zwei Jahren bin ich nun in Wanne und habe noch keine Saison zu Ende gebracht“, blickt Sebastian Westerhoff zurück.

Aufstieg wurde nur knapp verpasst

Die Spielzeit 2019/2020 wurde abgebrochen zum Leidwesen des DSC: „Ich glaube, wir hätten im Endspurt noch etwas gegen SG Finnentrop/Bamenohl ausrichten können“, sagt er. „FinBam“ wurde quasi am grünen Tisch zum Aufsteiger in die Oberliga erklärt, Wanne-Eickel blieb die undankbare Vizemeisterschaft. Der Abbruch der letzten Spielzeit wiegt nicht so schwer: Wanne war unter Westerhoff nur schwer in Tritt gekommen und lag nach knapp einem Saisondrittel im grauen Mittelfeld. Und doch hätte Sebastian Westerhoff die Spielzeit gerne zu Ende gebracht.

Für die Oberliga muss schon alles passen

Die Mission Oberliga, mit der sich der DSC in der Mondpalastarena seit Jahren herumschlägt, bleibt eine schwierige, schwant dem gelernten Veranstaltungskaufmann: „Vor drei Jahren war es Meinerzhagen, danach Finnentrop-Bamenohl, jetzt ist es TuS Bövinghausen – das sind alles Vereine, bei denen andere Möglichkeiten herrschen“, sagt er. Bleibt „Wester“ auch in einer kommenden Saison 2021/2022 damit als Trainer der „Unvollendete“?

„Ein Aufstieg bleibt immer ein Traum“, sagt er. „Aber dazu muss man auch eine außerordentlich gute Saison spielen. Aber ehrlich gesagt weiß heute doch niemand, wie gut oder schlecht einige Vereine aus der Corona-Pause kommen werden.“

Ein größerer Umbruch bahnt sich an

Er habe sich zunächst ganz andere Ziele gesetzt: „Nach solch einer langen Pause, wie wir sie jetzt haben, ist es doch erst einmal wichtig, alle Jungs zurück auf den Platz zu bekommen und wieder Spaß am Fußballspielen zu finden.“

Das Gesicht der Wanner Mannschaft wird sich dabei ziemlich ändern: Frühere Stammkräfte wie Torjäger Dawid Ginczek (zu SC Obersprockhövel), Kapitän Sven Preissing (Karriereende) oder Josse Gerick (zieht studienbedingt nach Münster) orientieren sich um oder werden künftig in der Oberliga spielen – wie Alexander Schlüter, den es zum SV Schermbeck zieht, oder Nick Ruppert und René Michen (beide zur SG Wattenscheid 09).

Neuzugänge müssen erst noch ankommen

Die Neuzugänge, zu denen Xhino Kadiu (Torjäger von Westfalenliga-Konkurrent Concordia Wiemelhausen) und der Ex-Erkenschwicker Deniz Batman (kommt vom TuS Bövinghausen) gehören, müssen erst noch „ankommen“. Keine leichte Aufgabe, schwant Sebastian Westerhoff, dem sich aktuell aber ganz andere Prioritäten stellen: Am Wochenende ist er erneut eine zeitlang alleinerziehend, Nadine ist wieder als Schiedsrichterin an der Pfeife engagiert. „Wenigstens eine von uns, die auf den Platz darf“, sagt ihr Mann mit einem Augenzwinkern.

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