Jugendsport

„Vor jedem Training ins Testzentrum? Das geht nicht“

Die bundesweite Notbremse bremst auch Vereine aus. Einige hatten gerade wieder ein Sportangebot für Kinder bis 14 Jahren aufgebaut. Der Unmut ist groß, aber es geht auch anders.
Immer schön auf Abstand: Auch die F-Jugendlichen von BW Westfalia Langenbochum trainieren in Kleingruppen weiter. © Steven Fischer/Verein

Training maximal in Fünfer- statt in Zehnergruppen, und dann auch nur im Freien, dazu verpflichtende regelmäßige Corona-Tests für alle Übungsleiter: Die Hürden sind aktuell extrem hoch. Zu hoch, wie selbst etablierte Vereine wie der Recklinghäuser LC (RLC) finden.

Nicht nur bei Barbara Ziesmer-Praßni werfen die aktuellen Verordnungen viele Fragen auf. Auf Sportanlagen unter freiem Himmel dürfen Gruppen von fünf Kindern bis zum Alter von 14 Jahren kontaktlos Sport treiben.

So weit, so gut. Doch als die Geschäftsführerin des RLC noch einmal Rücksprache mit dem städtischen Sportamt hielt, erfuhr sie von einem Passus, der den Trainingsalltag nicht leichter gestaltet. Sogenannte „Anleitungspersonen“ müssen ein negatives Test-Ergebnis einer anerkannten Teststelle vorweisen, das nicht älter als 24 Stunden ist.

Keine freien Termine im Testzentrum

„Kleingruppen mit fünf Kindern zu trainieren, das bekommen wir noch hin“, sagt Barbara Ziesmer-Praßni. „Aber vor jedem Training ins Testzentrum zu fahren, um einen Test einer anerkannten Teststelle zu erhalten, das geht nicht.“ Die Geschäftsführerin schildert ein aktuelles Beispiel in dieser Woche, das das Dilemma aufzeigt: Im Testzentrum an der Recklinghäuser Vestlandhalle seien bis zum Donnerstag keine Termine zu bekommen gewesen.

„Uns werden Steine in den Weg gelegt“

„Und was ist dann die Alternative? Jeder von uns sucht sich drei bis viermal pro Woche eine offizielle Teststelle, hat notgedrungen diverse unerwünschte Kontakte, nur um für kontaktfreien Sport unter freiem Himmel eine Testbestätigung zu erhalten“, kritisiert Barbara Ziesmer-Praßni und sagt: „Wir sind alle ehrenamtlich tätig, versuchen, in unserer Freizeit unseren Kindern wenigstens ein paar schöne, bewegte Minuten zu verschaffen, sie abzulenken. Aber uns wird ein Stein nach dem anderen in den Weg gelegt.“

Alles sei noch zu realisieren, wenn man nur einmal pro Woche im Stadion aktiv ist. „Aber durch die Gruppenverkleinerung sind wir alle gezwungen, drei- bis fünfmal

in der Woche Kleingruppen zu betreuen, wenn wir nicht einige Kinder außen vor lassen wollen. Und das eben wollen wir in keinem Fall.“

Aber es geht auch anders. Bei den Fußballern von BW Westfalia Langenbochum tummelten sich am Montag sogar wieder die „Schlümpfe“ auf dem grünen Kunstrasen. Bei den „Schlümpfen“ handelt es sich um eine Ballspielgruppe für die Kleinsten unterhalb der G-Jugend. Gerade hier sind Übungsleiter gefordert, die Rasselbande im Zaum zu halten, aber nicht nur die: Disziplin müssen alle auf dem Platz zeigen. „Natürlich trainieren wir räumlich abgetrennt nur in Kleinstgruppen“, berichtet Jugendleiter Kevin Korinth. „Aber das funktioniert, selbst bei Dreijährigen.“

Trainer hängen sich rein – Dank sind leuchtende Kinderaugen

Bald Tests auf der Platzanlage: Bei BW Westfalia Langenbochum hat man schon zu Beginn der Pandemie an Konzepten gearbeitet, wie der Sportbetrieb in der Jugend fortgesetzt werden kann. Mit Erfolg. „Wir haben bei BWWL bereits im letzten Jahr während der und nach den Lockdowns mit dem Training der Kinder im Rahmen der Möglichkeiten voll durchgezogen. Bisher wurde seit einem Jahr kein Kind, Jugendlicher oder Trainer positiv getestet“, so Pressesprecher Steven Fischer. Ab der kommenden Woche wird der Verein noch einen Schritt weiter gehen: Mit Carsten Lach steht dann ein zertifizierter Tester bereit, der regelmäßig direkt an der Platzanlage testet – und das ehrenamtlich, wie Fischer sagt.

In Langenbochum ist der Trainingsbetrieb mit allen Mannschaften bis zur U14 aktuell damit möglich, was auch ein Verdienst der Übungsleiter ist. Zwölf waren am Montagabend an der „Villa“ dabei, wo neben den „Schlümpfen“ auch weitere Teams in Kleingruppen trainierten. Alle Übungsleiter hatten sich zuvor testen lassen, versichert der Jugendleiter. Das sei schließlich auch die klare Vorgabe und damit Bedingung für den Sportbetrieb.

„Das machen die kurz nach der Arbeit oder in der Pause“, berichtet Korinth. „Da kann man nur den Hut vor ziehen, wie die sich reinhängen, damit unser Betrieb weiterläuft. Aber wenn du in die Kinderaugen schaust und siehst, wie sich alle freuen, auf dem Platz stehen zu dürfen, dann entschädigt das für vieles.“

Dennoch mag diesen Aufwand nicht jeder Klub betreiben. Beispiel: die große Jugendfußballabteilung des TSV Marl-Hüls. Die Hülser haben ihren Kickern mittgeteilt, dass der Trainingsbetrieb fürs Erste wieder ruht. „Training in Kleingruppen ohne Kontakt, das hätten wir uns noch vorstellen können. Aber die verpflichtenden Tests für die Übungsleiter sind dann doch des Guten zu viel“, sagt Jugendleiter Sebastian Nowak.

Beim TuS 09 sollen auch die U10 und U12 wieder ins Training

In der Leichtathletikabteilung des TuS 09 Erkenschwick hat man auch schon vor der bundesweiten Notbremse in möglichst kleinen Gruppen trainiert, wie Cheftrainer Robert Labian versichert. „Bei den über 14-Jährigen ändert sich ja nichts. Da haben wir schon vorher in Zweiergruppen, natürlich kontaktlos trainiert“, sagt Labian. In der Altersklasse U14 werden ab dieser Woche aus den Zehner- jeweils zwei Füngergruppen, die parallel trainieren. „Das klappt auch ganz gut. Wir haben in jeder Altersklasse eine verantwortliche Trainerin oder Trainer, dazu jeweils zwei bis drei Helfer, die sich in Absprache nun um die kleineren Gruppen kümmern“, sagt Labian.

Ab der kommenden Woche wolle man beim TuS auch wieder Training für die Altersklassen U10 und U12 anbieten, die nach den Osterferien noch gar nicht im Stadion waren. Auf ein Trainingsangebot für die Bambinis werde man bei den Nullneunern aber verzichten. „Da wir nicht gewährleisten können, das da alles immer kontaktlos ablaufen wird“, gibt Labian zu bedenken. Auch für den TuS sei es die größte Schwierigkeit, für alle Übungsleiter genügend Testtermine zu organisieren. „Es gibt keine Teststellen, die jeden Tag zu einer bestimmten Zeit geöffnet sind. Da bemühen wir uns nun um eine alternative Lösung“, sagt Labian.

Lesen Sie jetzt