Fußball

Jonah Kilian ist live dabei, wenn sein Bruder auf BVB-Star Erling Haarland trifft

Wenn am 30. Oktober im Signal-Iduna-Park „You’ll never walk allone“ ertönt, wird bei Jonah Kilian der Puls hoch schnellen. Denn der Teutonen-Fußballer ist BVB-Fan, zugleich spielt sein Bruder Luca für Dortmunds Gegner 1. FC Köln.
Jonah Kilian (li.) und Marc André Vollmert kennen sich schon aus der gemeinsamen Zeit in Brünninghausen. © Christine Horn

Jonah Kilian, seit Sommer trägt er das Trikot des Bezirksligisten Teutonia SuS Waltrop, ist Innenverteidiger. „Ich bin Linksfuß“, erzählt der 20-Jährige. Sein Bruder, der von Mainz 05 derzeit an den „Eff-Zeh“ ausgeliehen ist und auch U21-Nationalspieler ist, ist Rechtsfuß. Und eben auch Innenverteidiger.

Und denkt man an die Paarung BVB – 1. FC Köln und an die Aufgabe eines Innenverteidigers, schwant einem Böses. Denn mit wem wird der Kölner Abwehrmann es zu tun bekommen? Mit Erling Haaland. „Er ist ein Weltfußballer. Ich möchte an diesem Nachmittag nicht Lucas Verantwortung haben“, sagt Jonah mitfühlend.

Bundesliga-Profi war beim ersten Teutonen-Sieg im SpoNo dabei

Es habe ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Bruder (22), der in Köln wohnt. „Unsere Eltern haben uns mitgegeben, immer bodenständig zu bleiben“, erzählt Jonah Kilian, der neben dem älteren Luca noch zwei jüngere Brüder hat. Toll fand er, dass sein Bruder am 26. September beim Spiel der Teutonen gegen DJK BW Huckarde im Sportzentrum Nord war. „Es war unser erster Sieg. Und auch mein erstes Spiel nach meinem Muskelfaserriss für Waltrop. Und bessere Tipps als von ihm kann man nicht kriegen.“

Hoher Besuch im SpoNo: Das Spiel von Teutonia SuS gegen Huckarde schaute sich auch der Bundesligaprofi vom 1. FC Köln, Luca Kilian (l.) an. Denn: Sein Bruder Jonah kickt seit dieser Saison für die Waltroper. Diese Gelegenheit nutzte der glühende Eff-Zeh-Fan Sven Wilken für ein gemeinsames Foto auf der Tribüne. © Privat © Privat

Der Heimatverein des 20-jährigen Dortmunders ist der Hombrucher SV. Zuletzt hatte er in der U19-Landesliga-Mannschaft des FC Brünninghausen gespielt. Der damalige Trainer: Oliver Ridder. „Als Oli ankündigte, dass er nach Waltrop ginge und einige meiner Kollegen mitgehen würden, entschied ich mich auch dafür“, erzählt Jonah Kilian, der gemeinsam mit Marc André Vollmert, Baris Afsar und Emir Taspinar zum SpoNo wechselte. Dabei muss er zugeben: „Ich kannte Waltrop nicht.“ Ähnlich muss es seinen neuen Teamkollegen gegangen sein, was seinen Wohnort betrifft. Denn Jonahs Familie wiederum wohnt in einer eher unbekannten Ecke Dortmunds. „Ich denke, dass ich von allen Teamkollegen die weiteste Anfahrt habe.“

Als die Teutonenspieler seinen Namen googelten, gab‘s keine Infos

Dann war der Zeitpunkt im Juli gekommen, als Jonah die Mannschaft kennenlernte. „Als mein Name bekannt wurde, haben sie mich gegoogelt. Aber fanden nichts über mich. Nur über meinen Bruder“, erinnert sich Jonah. Das machte ihm überhaupt nichts aus: „Ich muss den Jungs ein Kompliment machen: Sie haben mich top aufgenommen. Ich verstehe mich sehr gut mit ihnen, mit einigen unternehme ich auch privat etwas.“

Offen gibt er zu, dass ihm auch der Verein Teutonia SuS Waltrop unbekannt war. „Es ist ein familiärer Verein. Das kannte ich zuvor nicht unbedingt so von anderen Vereinen.“

Modellstudiengang an der Charité

Nach dem Abitur hatte Jonah Kilian eine Fußball-Pause eingelegt. Er begann ein Freiwilliges Soziales Jahr im Dortmunder Johannis-Hospital. „Da merkte ich aber, dass es ohne Sport nicht geht.“ Der 20-Jährige bemüht sich derzeit um einen Medizin-Studienplatz. „Ich würde gerne an der Charité in Berlin einen Modellstudiengang belegen oder in Essen, weil es um die Ecke ist und ich weiter Fußball spielen könnte.“

„Olis Spielidee ist taktisch sehr versiert“

Wie hat er die ersten vier Saisonspiele verletzt und in Zivil miterlebt, als seine Teamkollegen alle Partien verloren? „Ich habe nie daran gezweifelt, dass wir die Kurve kriegen. Klar, es ist eine sehr junge Mannschaft. Aber die hat solch eine Spielfreude und tut Dinge, die Routiniers nicht machen. Und Oli an der Linie ist wichtig, der uns alles vorlebt.“ Ridder sei ein Top-Trainer, „seine Spielidee ist taktisch sehr versiert.“ Für ihn als Innenverteidiger sei es natürlich schön – bis auf Kemminghausen – dreimal zu Null gespielt zu haben. Was er den Teutonen in dieser Saison zutraut? „Insgeheim sehe ich uns unter den Top 5 der Liga.“

Zurück zum 30. Oktober im Signal-Iduna-Park. Einen Tipp will er für das Spiel BVB gegen 1. FC Köln nicht abgeben. „Es wird ein sehr emotionales Spiel werden. Ich bin megastolz auf Luca, wie easy er damit umgeht“, sagt Jonah. Noch weiß er nicht, wo er sitzen wird. Auf der Nord-Tribüne im Gästeblock? Oder doch auf der Süd? Egal. Fest steht nur, dass Jonahs Puls dann ordentlich in die Höhe schnellen wird…