Geberkonferenz in Lugano

750 Milliarden Euro benötigt: Ukraine bittet um Wiederaufbauhilfe

Die Ukraine braucht für den Wiederaufbau hunderte Milliarden Euro. Vor dem von Bundeskanzler Scholz angekündigten «Marshall-Plan» legt die Ukraine jetzt ihre eigenen Vorstellungen dar.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj war in Lugano per Video zugeschaltet
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj war in Lugano per Video zugeschaltet © Michael Buholzer/KEYSTONE/FDFA/dpa

Die ukrainische Regierung will den Wiederaufbau ihres kriegszerstörten Landes zu einem großen Teil mit russischem Geld finanzieren.

Nötig seien nach Schätzungen mindestens 750 Milliarden Dollar (knapp 720 Milliarden Euro), sagte Regierungschef Denys Schmyhal bei der ersten großen Wiederaufbau-Konferenz in Lugano in der Schweiz. Herangezogen werden sollten die rund 300 bis 500 Milliarden Dollar Vermögenswerte des russischen Staates und von Oligarchen, die weltweit eingefroren seien, sagte Schmyhal.

Juristen betonen, wie schwierig es ist, eingefrorene Vermögenswerte zu konfiszieren und auszugeben. Nötig wären unter Umständen Urteile vor internationalen Gerichten. Oligarchen müsste eine direkte Verantwortung für Beiträge zum Kriegsgeschehen nachgewiesen werden.

Schmyhal präsentierte rund 1000 Vertretern von Geberländern sowie internationalen Organisation und Finanzinstitutionen einen ersten, hunderte Seiten dicken Wiederaufplan. Sein Land brauche aber auch finanzielle Unterstützung anderer Länder, des Privatsektors und Kredite. Er appellierte an Partner, die dringendsten Reparaturen umgehend in Angriff zu nehmen, etwa Wasserversorgung und Brücken. Sein Land habe bereits Infrastruktur im Wert von 100 Milliarden Dollar verloren.

Selenskyj per Video zugeschaltet

Präsident Wolodymyr Selenskyj war per Videolink zugeschaltet. «So lange es Ruinen gibt, geht der Krieg weiter, so lange der Aggressor glaubt, er könne die Grundlagen des Lebens zerstören, so lange gibt es keinen Frieden», sagte Selenskyj nach Angaben des Übersetzers.

Die Europäische Union werde die Ukraine unterstützen, bekräftigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. «Europa hat eine besondere Verantwortung und ein strategisches Interesse daran, die Ukraine auf diesem Weg zu begleiten», sagte sie. Seit dem Beginn des Krieges habe die EU 6,2 Milliarden Euro finanzielle Unterstützung mobilisiert. «Und Sie wissen: es kommt noch mehr.»

dpa

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