Neue Gesamtschul-Leiterin Astrid Fuhrmann

Auch nach 24 Jahren lernt sie ihre Schule immer wieder neu kennen

Seit fast einem Vierteljahrhundert ist Astrid Fuhrmann jetzt an der Gesamtschule Waltrop. Nun tritt sie die Nachfolge von Ulrike Walterkamp als Schulleiterin an.
Astrid Fuhrmann leitet jetzt die Waltroper Gesamtschule © Jörg Gutzeit

Ein lang gehegter Plan sei es nicht gewesen, einmal Schulleiterin zu werden, sagt die aus Ickern stammende Astrid Fuhrmann. Und doch erwiesen sich die äußeren Voraussetzungen als passend, als im Raum stand, ob sie die Leitung der Gesamtschule Waltrop übernehmen wollte. Die 56-Jährige brachte Erfahrung in verschiedenen Rollen mit, war Klassenlehrerin, Gleichstellungsbeauftragte, Abteilungsleiterin, Koordinatorin für Inklusion und Didaktische Leiterin. Die drei Kinder sind erwachsen – auch das war ein Faktor. Und doch, es ging nicht um den nächsten Karriereschritt auf Teufel-komm-raus: „An eine andere Schule wäre ich nicht gegangen, um dort die Leitung zu übernehmen“, sagt sie klar. Aber die Gesamtschule Waltrop ist eben „ihre“ Schule.

Ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnte

Ein Zeitsprung in ihre Anfangsjahre: Während sie nach einem Referendariat in Gelsenkirchen noch überlegte, eine Vertretungsstelle an einer Realschule in Herten eventuell zu verlängern, kam das Angebot für die Gesamtschule Waltrop. Sie nahm die Stelle an – schließlich war es praktisch, dass sie keine lange Anfahrt hatte – und wurde im Laufe der Jahre „von einer Lehrerin an einer Gesamtschule schnell eine überzeugte Gesamtschullehrerin“, wie sie es anschaulich formuliert. Die Teamstruktur dieser Schule und die Idee, eine Schule für alle Kinder zu gestalten, entsprach und entspricht bis heute einfach ihrer Vorstellung von der Arbeit als Lehrerin sehr. Im Zuge der Bewerbung um den Deutschen Schulpreis habe sie „ihre“ Schule noch einmal neu kennengelernt, sagt die. Eine solch große Bildungseinrichtung mit ihren vielen Facetten habe man eben auch nach 24 Jahren noch nicht vollständig auf dem Schirm.

Klar ist für sie: Die Aufgabe lässt sich nur stemmen, weil die Gesamtschule eben die angesprochene Teamschule ist. Heißt: In der Schulleitung ist man kein Einzelkämpfer. Es gibt Abteilungsleiter für die einzelnen Stufen, eigene kleine Lehrerzimmer fürs Lehrpersonal und kleine Besprechungs-Runden für die jeweiligen Altersklassen. Das habe ihr gerade zu Beginn ihrer Zeit an der Gesamtschule den Start sehr erleichtert, sagt sie. „Es ist doch etwas anderes, wenn man eine Frage vor der ganzen Lehrerkonferenz mit 100 Leuten stellen muss, als wenn ich den geschützten, kleinen Kreis habe.“

Künftig ist die Schule nur noch vierzügig

Was bringt die Zukunft? Eine Herausforderung für die Gesamtschule wird sein: Die Schule wird kleiner, künftig nur noch vierzügig. Das war politischer Wille der Mehrheit im Stadtrat, die Gesamtschule hat sehr damit gehadert, musste sich aber doch fügen. Aber es bedeutet jetzt zu überlegen: Welche Angebote erhält man auch mit weniger Klassen wie aufrecht? Eine weitere Aufgabe für die Zukunft: Aus der Zeit der Pandemie, die auch die Gesamtschule binnen kürzester Zeit ins digitale Zeitalter katapultiert hat, gelte es, die Dinge zu konservieren, die für die weitere Schulentwicklung und besonders für das individuelle Fördern und Fordern der einzelnen Schüler hilfreich sind. „Dass die Schülerinnen und Schüler ein Tablet haben, ist ja kein Selbstzweck“, sagt die neue Schulleiterin.

Es geht um selbstständiges Denken

Was den Lehrplan angeht: Auch da gilt es, sich auf Veränderungen einzustellen. „Nach dem Willen der FDP soll es ja ein Fach Wirtschaft geben“, erinnert Astrid Fuhrmann. Sie sei jedoch der Meinung, es sei „nicht Aufgabe der Schule, junge Menschen zu befähigen, eine Steuererklärung auszufüllen“. Nein, ihre Aufgabe sei es, die Schülerinnen und Schüler zu selbstständigem Denken zu befähigen. Dass das freilich abgehoben von der Wirklichkeit auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt geschähe, das kann der Gesamtschule freilich niemand vorwerfen. Die ist vielfach ausgezeichnet worden für ihre vorbildliche berufsvorbereitende Arbeit, die Kooperationen mit Unternehmen zu diesem Zweck werden wieder aufgenommen, wenn die Pandemie Geschichte ist.

Aber auch diese Formate stünden immer wieder auf dem Prüfstand, um sie bedarfsgerecht zu erhalten, sagt Astrid Fuhrmann. Sie wird übrigens neben ihren Schulleitungs-Aufgaben auch weiter unterrichten: evangelische Religion in der Oberstufe.

Insgesamt 587 auswärtige Schüler

  • Zunächst, berichtet Astrid Fuhrmann, habe man Harmut Nürnberg gefragt, ob er Interesse habe, Schulleiter zu werden. Der hatte nach dem Ausscheiden von Ulrike Waterkamp die Einrichtung mit ihren zwei Standorten an der Brockenscheidter Straße und am Akazienweg kommissarisch geleitet. Als der nach längerer Bedenkzeit absagte (Nürnberg bleibt jetzt Stellvertreter), war Astrid Fuhrmann die nächste Kandidatin. Es gab allerdings auch noch zwei weitere Bewerbungen.
  • Von den auswärtigen Schülern kommen im Schuljahr 2020/21 70 aus Datteln, zwei aus Oer-Erkenschwick, 100 aus Castrop-Rauxel, je 206 aus Dortmund und Lünen und einer aus Selm. Insgesamt sind 587 Schülerinnen und Schüler nicht aus Waltrop.

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