Fünf Ordensleute und ein Pfarrer Im Gasthaus gibt es eine ganz besondere Wohngemeinschaft

Redakteur Regionales
Schwester Judith – hier bei der Schreibtisch-Arbeit in ihrem Zimmer – gehört zur Kommunität des Gasthauses.
Schwester Judith - hier bei der Schreibtisch-Arbeit in ihrem Zimmer - gehört zur Kommunität des Gasthauses. © Jörg Gutzeit
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Ordensleute wohnen im Kloster, katholische Pfarrer allein im Pfarrhaus – von diesen allgemeinen Vorstellungen weicht die Situation im Recklinghäuser Gasthaus an der Gastkirche erheblich ab: Hier leben zwei Schwestern, drei Brüder und ein katholischer Priester zusammen. Die Canisianer-Brüder Ralf, Bernhard und Reinhard, die Lüdinghauser Franziskanerin Schwester Judith, die Garser Missionsschwester Franziska und der leitende Pfarrer Ludger Ernsting – sie sind hier in dieser ungewöhnlicher Konstellation gemeinsam vor Ort, unterstützen Menschen in unterschiedlichen Notsituationen.

„Wir sind eine Wohn- und Gebetsgemeinschaft“, sagt Schwester Judith. So gibt es morgens, mittags und abends gemeinsame Gebetszeiten oder Gottesdienste, ansonsten steht die gemeinsame Aufgabe der sozialen Hilfe im Mittelpunkt. Bruder Ralf arbeitet in der Zentralrendantur, die übrigen fünf sind tagsüber in der Regel im Gasthaus aktiv, mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten: Ludger Ernsting und Schwester Judith kümmern sich unter anderem um den pastoralen Bereich, Schwester Franziska zum Beispiel um die Eine-Welt-Arbeit, Bruder Reinhard hat einen Arbeitsschwerpunkt bei der Betreuung der oft wohnungslosen Tagesgäste, Bruder Bernhard unterstützt die Gruppe, die sich um Häftlinge kümmert…

„Aber sehr vieles im Gasthaus-Alltag besteht auch aus Überraschungen“, sagt Schwester Judith. Da muss plötzlich eine Lebensmittel-Spende abgeholt werden, da steht jemand nachts ohne Bleibe vor der Tür, da braucht ein von Wohnungslosigkeit bedrohter Gast dringend ein Gespräch. „Man plant – und es kommt anders“, fasst die 58-Jährige zusammen – und spricht von einem „sehr bunten und schönen, aber auch herausfordernden und anstrengenden Alltag“.

Bruder Reinhard im gemeinsamen Wohnzimmer der Gasthaus-Kommunität.
Pause mit Recklinghäuser Zeitung: Bruder Reinhard im gemeinsamen Wohnzimmer der Gasthaus-Kommunität. © Jörg Gutzeit

Kraft bei der Vielzahl von Aufgaben gibt die spezielle Wohngemeinschaft im Gasthaus. „Wir stärken uns gegenseitig, teilen unsere Gedanken, führen viele Gespräche. Und das regelmäßige gemeinsame Gebet ist eine wichtige Auszeit, um aufzutanken“, sagt Bruder Reinhard. Auch Schwester Judith betont, dass die gemeinsame Aufgabe, die gemeinsame Gottessuche die Kommunität verbindet: „Wir haben alle den Wunsch, das Evangelium konkret werden zu lassen.“

Fünf Hausgäste leben hier auf Zeit

Pfarrer Ludger Ernsting hat eine kleine Wohnung im Gasthaus, die Ordensleute in der Regel ein eigenes Zimmer, dazu gibt es einen gemeinsamen Ess- und Wohnraum. Zudem sind im Gasthaus fünf Hausgäste in jeweils einem eigenen Zimmer untergebracht, „Wohngäste, die in einer Krisen- und Notsituation sind und hier in der Regel für einige Monate leben“, erklärt Schwester Judith.

Persönliche Notsituation: Max Eggert lebt zurzeit im Gasthaus.
Persönliche Notsituation: Max Eggert lebt zurzeit im Gasthaus. © Jörg Gutzeit

Einer von ihnen ist zurzeit Max Eggert. „Ich habe Drogen genommen, geklaut, die Schule geschwänzt, war aggressiv – das volle Programm“, berichtet der 19-Jährige. „Da hatte ich ständig Stress mit meinen Eltern und die haben mich dann rausgeschmissen.“ Auch aus der städtischen Notunterkunft flog Max Eggert nach eigener Aussage raus – und wurde schließlich im Gasthaus aufgenommen. Hier lebt er nun seit etwa vier Monaten. „Das ist gut, viel besser, als auf der Straße zu pennen“, sagt er und lächelt erleichtert. Zwei Entgiftungen hat der junge Mann inzwischen hinter sich, mit Hilfe des Gasthauses ist er nun auf der Suche nach einer Wohnung, einem Job. „Die Zimmer stehen für Gäste bereit, für die es akut anderswo keine Möglichkeit gibt. Und die Zimmer sind eigentlich immer belegt“, erläutert Schwester Judith.

Ehrenamtliche „stärken den Rücken“

Auch wenn die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer – davon gibt es im Gasthaus etwa 250 – natürlich nicht im Gasthaus wohnen, sind sie doch für die Kommunität und ihr Leben ein wichtiger Aspekt, „sehr bereichernd“, wie Bruder Reinhard betont. „Ihre Dienste und der Austausch mit ihnen ist sehr wichtig.“ Und Schwester Judith ergänzt: „Die Hilfe durch die Ehrenamtlichen stärkt uns den Rücken.“

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SO KÖNNEN SIE SPENDEN

  • Unsere Weihnachts-Spendenaktion gilt in diesem Jahr dem Gasthaus an der Gastkirche in der Recklinghäuser Innenstadt, Hl.-Geist-Str. 7. „Nahe bei den Menschen in Not“ ist der Titel der Aktion, denn das Gasthaus unterstützt in vielfältiger Art und Weise Menschen in Krisensituationen. Das reicht vom täglichen Essensangebot für Wohnungslose und andere Menschen über Sozialberatung bis zur Trauerbegleitung und zu regelmäßigen Gesprächszeiten in der Gastkirche. Der leitende Pfarrer Ludger Ernsting bezeichnet das Gasthaus als „Anlaufstelle für alle Menschen in Not“.
  • Einzelne Aspekte der Arbeit im Gasthaus stellen wir in der Adventszeit vor – jeweils mittwochs und samstags.
  • Und so können Sie das Gasthaus in Recklinghausen mit einer Spende unterstützen:
    – Spendenkonto:
    Volksbank Marl/RE
    IBAN: DE69 4266 1008 5102 8329 03
    -Empfänger:
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