Drittimpfung gegen Corona

Seniorenheime im Kreis Recklinghausen gehen unterschiedliche Wege

Ab September stehen in Seniorenheimen weitere Impfungen gegen Corona an. Doch in den Einrichtungen herrscht nun Verwirrung, wie dies erfolgen soll. Die Meinungen, wer die Impfungen wann vornehmen soll, gehen dabei auseinander.
Das Seniorenzentrum an der "Alten Feuerwache" in Marl bereitet sich auf die Corona-Drittimpfungen vor. © Meike Holz

Die Drittimpfung zunächst für Senioren, Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Immungeschwächte wird im September kommen. Wie die Auffrischung des Schutzes gegen Corona stattfinden wird, ist hingegen nicht ganz klar. So herrscht beispielswiese in Gladbeck zu dem Thema Verwirrung. Denn in der vergangenen Woche veröffentlichte die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe ein Schreiben, in dem sie mitteilte, dass nicht mehr mobile Impfteams, sondern nun die „betreuenden niedergelassenen“ Ärzte und Ärztinnen die Spritze in den Seniorenheimen geben sollen.

Caritas-Chef Gladbeck sieht im Vorschlag keine optimale Lösung

Für Gladbecks Caritas-Chef Rainer Knubben ist dieses Vorgehen allerdings keine optimale Lösung. Er sieht einen großen organisatorischen Aufwand darin, wenn jeder Hausarzt zum jeweiligen Bewohner in die Einrichtung gehen muss. Einzelne Terminvergaben wären nötig, einzelne Dokumentationen bei jeder Impfung.

Für die Residenzleitung der Pro-Talis-Einrichtung an der alten Feuerwache in Marl, Carmen Liese, stellt dies aber kein Problem da: Am 6. Januar und 6. Februar fanden bei uns die Impfungen durch ein mobiles Team statt, das Dr. Elisabeth Albrecht koordiniert hat. Sie wird auch die Drittimpfungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchführen.“

„Dokumentation ist kein Problem“

Die Bewohner hingegen würden durch ihre „festen“ Hausärzte geimpft. „Das ist auch gut so. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner wünschen sich das auch. Wir zwingen niemandem etwas auf““, sagt Carmen Liese. Auch die Dokumentation stelle kein Problem da – schließlich könne man auf aktuelle Computerprogramme zurückgreifen. Mit Dr. Albrecht arbeitet übrigens auch das Haus an der Herzlia-Allee in Marl zusammen.

„Die meisten Einrichtungen haben einen festen Pflegeheim-Arzt. Mit ihm ist abzustimmen, welcher Bewohner geimpft werden soll. Wenn ein Bewohner einen anderen Hausarzt hat, kann man das auch mit ihm absprechen. Das wird von Haus zu Haus unterschiedlich sein“, so Vanessa Pudlo, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, auf Nachfrage.

Bei der AWO finden noch Gespräche statt

Eine endgültige Entscheidung, wie das Thema Drittimpfung angegangen wird, gibt es bei der AWO im Unterbezirk Recklinghausen noch nicht. Geschäftsführerin Melanie Queck auf Nachfrage: „Die Leitungen unserer Häuser stimmen sich diesbezüglich ab und sind im Gespräch.“

Andrea Küdde, stellvertretende Einrichtungsleiterin im Eduard-Michelis-Haus in Gladbeck, hält das geplante Vorgehen ebenso für „eine große Herausforderung“. Wie es genau umgesetzt werden solle, sei noch unklar. Auch untereinander sind die Einrichtungsleitungen in Gladbeck dazu im Gespräch. Knubben und Küdde sind sich einig, dass es deutlich besser wäre, wenn es wieder ein mobiles Impfteam für die Einrichtungen geben würde. „Das wäre das Vernünftigste“, findet der Caritas-Chef.

Diakonie im Kreis Recklinghausen setzt auf einheitliche Lösung

In den Einrichtungen der Diakonie im Kreis Recklinghausen hofft man auf eine einheitliche Lösung. „Wir haben in unseren Häusern Kooperationsärzte, mit denen wir eng zusammenarbeiten“, sagt Pressesprecher Michael Wiese. Mit denen wolle man jeweils in den einzelnen Häusern die Drittimpfungen angehen, sofern sich dies realisieren lässt. Noch sei man aber dabei, die Aktionen zu organisieren. Auch für die Diakonie mache es Sinn, die Impfungen mit entsprechend wenig Aufwand zu realisieren

Auch Hausarzt Dr. Gregor Nagel, Sprecher des Gladbecker Ärztenetzes, hält es für sinnvoll, dass ein Team durch die Einrichtungen zieht, und impft. Dass das aber nur der jeweilige Hausarzt sein soll, liest Nagel aus dem Schreiben der KVWL nicht heraus. „Es ist missverständlich formuliert. Wie genau es laufen soll, ist jetzt noch in Klärung.“

Kirsch setzt auf kooperierende Ärzteschaft

In den Einrichtungen der Kirsch-Unternehmensgruppe setzt man auf die kooperierenden Ärztinnen und Ärzte, die bereits bei den Erstimpfungen im Auftrag der Zentren das mobile Impfteam gestellt haben. „Die Ärzte wollen sich untereinander kurzschließen und klären, ob eventuell ein Arzt bzw. eine Ärztin ein gesamtes Haus übernimmt, in dem er oder sie bereits viele Bewohner versorgt“, sagt Sven Seewald, der für alle Einrichtungen als Qualitäts- und Hygienemanager verantwortlich ist, zum aktuellen Stand. Er sei ganz zuversichtlich, dass es da eine vernünftige Lösung geben werde.

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