Umweltschutz

Die Mond-Azurjungfer dankt es im Stillen

Jäger des Hegerings Marl und die Biologische Station des Kreises arbeiten zusammen an der Zukunft des Natur-Refugiums „Brinksknapp“.
Der Hegering-Vorsitzende Holger Scheer (li.), Jungjägerobermann Adam Smirnow, Karl Ammelburger und Werner Sandow haben mit Waidmännern am Brinksknapp-Biotop Hand angelegt. © Julia Dziatzko

Geheimtipps sehen anders aus. Es ist ein lauschiger Vorfrühlingstag, als sich die Sonne zum ersten Mal beherzt über Brinksknapp zeigt. Ein bisschen Bescheid muss man schon wissen, wie man zu diesem Biotop in der Haard kommt. Doch einige Wanderer den Weg zu diesem verwunschenen Fleckchen östlich der Halterner Straße zwischen Sinsen und Haltern.

Sie hören hin, als Jäger des Hegerings Marl berichteten, was sich im Teich und an den Sumpfrändern von Brinksknapp tut. Und wie es der Mond-Azurjungfer geht – nämlich vielleicht bald gar nicht mehr gut.

Jäger schlagen Alarm

Die Jäger beobachten die Entwicklung der letzten Jahre nicht nur wegen der seltenen, stahlblauen Libellenart mit Sorge. Auch die Biologische Station Kreis Recklinghausen ist alarmiert. „In den vergangenen drei Jahren ist das Biotop weitgehend trockengefallen“, berichtet Holger Scheer, Vorsitzender der im Hegering Marl organisierten Jäger.

Naturschützer werden aktiv

In Absprache mit der Biologischen Station und mit dem Segen des Waldbesitzers RVR (Regionalverband Ruhrgebiet) und der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Recklinghausen haben Jäger und Naturschützer am Brinksknapp Hand angelegt. In Watstiefeln und mit der Kettensäge sind die Waidmänner allzu üppig wuchernder Ufervegetation – rechtzeitig vor der Gehölz-Schonzeit zum Schutz von Vögeln und etlichem anderen Getier – zu Leibe gerückt. Vor allem auf Weiden, die enorm viel Wasser ziehen und verdunsten, hat die Aktion abgezielt. Auf etwa 150 Quadratmeter wurde der Bestand ausgedünnt.

Natürlich macht es das Trockenfallen des Biotops dem Wild in der ohnehin sandigen Haard schwer, Wasser zu „schöpfen“, wie der Jäger sagt. Vor allem aber sind Brinksknapp-Bewohner wie (Moor-) Frosch, Molch und Kröte betroffen. Das entkräftet jeden Vorwurf im Ansatz, dass die Jäger aus Eigennutz durch den Sumpfrand des Teiches stapfen – auf der Liste jagdbarer Tiere in NRW stehen Lurch und Libelle definitiv nicht.

Tiere auf Roter Liste

Dafür findet man etliche von ihnen auf einem anderen Papier – auf der Roten Liste bedrohter Tierarten. Die Mond-Azurjungfer beispielsweise kann nur im Stillen dafür danken, dass Jäger und Naturschützer versuchen, ihr Überleben zu sichern. Das Verschwinden (und Wiederansiedeln) von Fischotter oder Biber liefert stets spektakuläre Geschichten – aber eine spaghettidünne, fingerlange Mond-Azurjungfer? Doch auch sie hat ihren Platz und Funktion in der Natur. Ihr Schicksal kann man ganz einfach auf den Punkt bringen: Wenn weg, dann weg. Einmal an einem Ort ausgestorben, war‘s das.

Niels Ribbrock, Landschaftsökologe und stellvertretender Geschäftsführer der Biologischen Station Kreis RE, kennt die prekäre Situation des Insekts. „Es gibt in NRW vielleicht noch zwei Handvoll Stellen, an denen man die Mond-Azurjungfer findet. Eine davon ist am Brinksknapp. Wenn die Libelle dort ausstirbt, wird sich die Art nicht wieder neu ansiedeln können. Das nächste Vorkommen liegt viele, viele Kilometer entfernt. Aber beispielsweise auch der Moorfrosch ist betroffen, wenn so ein Gewässer schon im April trockenfällt. Passiert das zu oft hintereinander, gehen ganze Populationen zugrunde.“

Der RVR will der Sache auf den Grund gehen und mit einem hydrogeologischen Gutachten herausfinden, was mit Brinksknapp in der ohnehin nicht wasserreichen Haard los ist.

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