Regionalliga

Recklinghäuser Fußball-Frauen setzen auf den „Geist von Billerbeck“

Es wird langsam ernst für die Fußball-Frauen des 1. FFC Recklinghausen. Die Meisterrunde in der Regionalliga West steht bevor. Im Münsterland geht es nun an den Feinschliff.
Aufgalopp mit Spaß: Für die Fußball-Frauen des 1. FFC Recklinghausen ist wieder Mannschaftstraining angesagt - allerdings vorerst im Münsterland. © Jochen Börger

Navigationsgeräte können bei Fahrten in beschauliche Münsterland-Gemeinden manchmal recht praktisch sein. Die Fußball-Frauen des 1. FFC Recklinghausen dürften indes in den kommenden Wochen kaum noch technische Hilfe im Auto benötigen. Der Sportpark „Helker Berg“ wird so etwas wie die zweite Heimat – und dort wird der „Geist von Billerbeck“ beschworen mit einem großen Ziel: Aufstieg in die Zweite Bundesliga.

Letztes Pflichtspiel im Oktober

Alles hätte eigentlich so einfach sein können. Im Oktober hat der FFC einen großen Lauf, krönt seinen goldenen Monat mit einem 2:1-Heimsieg gegen den rheinischen Rivalen 1. FC Köln II. Dann schlägt die Corona-Pandemie zu, nichts geht mehr in Sachen Spielbetrieb. Inzwischen bereiten sich die meisten Vereine schon auf die nächste Saison vor. Bei den Recklinghäuser Frauen sieht die Welt aktuell aber völlig anders aus.

Vier Teams wollen aufsteigen

Denn die Regionalligisten müssen im Juni noch einen Meister ermitteln – auch vor dem Hintergrund, dass in der Zweiten Bundesliga Teams absteigen. Genau jene Zweite Liga ist das Ziel des 1. FFC – gleiches gilt aber auch für die Sportfreunde Siegen, den VfL Bochum und den 1. FC Köln II. Allen fallenden Inzidenzwerten zum Trotz ist es in der Festspielstadt aber noch unmöglich, ein geordnetes Mannschaftstraining zu absolvieren. Wie gut, dass es da den Kreis Coesfeld gibt.

„Endlich wieder Mannschaftstraining“

Im schmucken Münsterland, wo alles anderes als die Sonne verstaubt, konnte jüngst gar ein Freibad wieder öffnen. Für Sportanlagen wie den „Helker Berg“ am Billerbecker Ortsrand gilt das auch – und genau die können die Kickerinnen um Trainerin Laura Neboli jetzt nutzen. Jedes Wochenende.

„Endlich wieder Mannschaftstraining“, lacht Neboli am Samstagmorgen. Für Punkt 11 Uhr ist der Start an diesem Tag angesagt. Aber Corona zollt auch dem Zeitplan einer Trainerin Tribut. Schon seit einer Stunde ist die ehemalige italienische Nationalspielerin auf dem Platz und bereitet mit dem Sportlichen Leiter Andreas Krznar und Uli Lux, der beim FFC mehr als nur ein Betreuer ist („irgendwo zwischen Mädchen für alles und manchmal auch ein Beichtvater“) die Corona-Testungen für alle Beteiligten vor.

Sportdirektor Andreas Krznar führte vor dem Training die Corona-Testungen durch. Ergebnis: “Alles negativ!” © Jochen Börger © Jochen Börger

Fatma Kara ist erstmals dabei

20 Aktive, darunter auch Neuzugang Fatma Kara (73-fache türkische Nationalspielerin), drei Begleiter, ein Journalist – es ist überschaubar auf dem Platz, und in den nächsten 45 Minuten wird getestet, dokumentiert und in derlei vielen Arbeitsmappen abgeheftet, dass man meinen könnte, gleich startet ein Hochschulseminar. Punkt 11 Uhr geht es aber endlich an die Praxis. 30 Minuten Laufarbeit, dann folgt Ballarbeit in Gruppen.

Optimistisch und akribisch: FFC-Trainerin Laura Neboli © Jochen Börger © Jochen Börger

Ein bisschen schwankt die Stimmung fortan zwischen Ausgelassenheit und leichter Anspannung. Wie die Spielerinnen freut sich auch Neboli, alle gesund wiederzusehen. „Die Mädels sind gut drauf“, lautet ihre erste Erkenntnis nach monatelangem Mehr-oder-weniger-Individualtraining. Lachend setzen die Spielerinnen zu ihren ersten Runden an. Im Wissen, dass die nächsten Wochen entscheidend sind.

Start am 6. Juni in Siegen

Denn in drei Wochen wird der 1. FFC wissen, ob der „Geist von Billerbeck“ wirklich Flügel Richtung Zweite Liga verleihen kann. Details für die Meisterrunde stehen inzwischen fest, wie Andreas Krznar verrät. Für ihn steht fest: „Es wird spannend bis zum Schluss, den absoluten Favoriten gibt es nicht.“

Zunächst geht es am 6. Juni nach Siegen, am 13. Juni steht das Heimspiel gegen den VfL Bochum auf dem Programm. Gegen den 1. FC Köln II wird nicht mehr gespielt, das 2:1 vom Oktober fließt in die Wertung mit ein.

Ob das Heimspiel gegen Bochum im Stadion Hohenhorst ausgetragen werden kann, das muss die aktuelle Corona-Lage zeigen. Falls ein Ausweichort erforderlich ist, Billerbeck kommt selbstredend mit in die Verlosung. Auf dass der Geist dann endgültig erwache.

Ein Sieg in der Meisterrunde würde allerdings noch nicht den Zweitliga-Aufstieg bedeuten. Am 20. Juni tritt der West-Meister beim Südwest-Titelträger SV Göttelborn an, eine Woche später ist das Rückspiel.

Aber wie auch immer das Rennen um den Zweitliga-Aufstieg ausgehen wird, eines steht schon jetzt fest: Der FFC-Kader wird nahezu komplett zusammenbleiben. Und gegebenenfalls noch verstärkt. „Wir schauen uns weiter um“, sagt Krznar.

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