Tischtennis

Jugend forsch – der TTV Waltrop freut sich auf den nächsten „Bufdi“

Seniorenheime, Kindertagesstätten, Schulen: Wer nach dem Schulabschluss in den Bundesfreiwilligendienst einsteigt, hat viele Möglichkeiten. Es geht aber auch in einem Sportverein.
Felix Happ (l.) setzt ab 1. August die Tradition der Bufdis beim TTV Waltrop fort. Das freut den Vorsitzenden Jens Korte natürlich. © Jochen Börger

Vor wenigen Monaten hätte Felix Happ wahrscheinlich nur müde gelächelt, wenn man ihm folgende These für seinen nächsten Lebensabschnitt serviert hätte: Du machst Abitur, dann wirst du „Bufdi“ in einem Tischtennisverein. Aber manchmal kommt eben alles anders als man denkt.

2008 fuhr der „Bufdi“ nach Peking

„Bufdi“ – der Begriff steht für den Bundesfreiwilligendienst, den viele junge Menschen nach dem Schulabschluss absolvieren. Dass so etwas auch in einem Sportverein passieren kann, klingt ungewöhnlich. Beim TTV Waltrop ist das indes längst normal. 2008 begann das Konzept, als mit Tobias Klinke der erste „Bufdi“ anheuerte und durch puren Zufall sogar zu den Olympischen Spielen nach Peking mitreiste.

Abiturklausuren sind geschafft

Nun erscheint es – und das ist nicht nur der Corona-Pandemie geschuldet – unmöglich, dass Felix Happ in seiner Funktion als neunter TTV-Bufdi anno 2021 Ähnliches widerfährt und er Olympia in Tokio miterleben darf. Darum geht es auch gar nicht in seinem neuen Job, den der 18-jährige Waltroper ab dem 1. August antritt. Die schriftlichen Abiturklausuren hat er jüngst hinter sich gebracht, bald beginnt ein neuer Lebensabschnitt: „Bufdi“ im Tischtennisverein.

Die Frage sei erlaubt, warum in einem Klub mit 96 Mitgliedern ein junger Mensch ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Jens Korte (45), Vorsitzender des TTV Waltrop, macht schnell deutlich, dass es um mehr geht als nur die Tischtennis-Platten zu putzen. Mag sein Klub auch vergleichsweise klein sein, die Aufgaben sind groß genug. Oder wie es Korte formuliert: „Auch auf Felix wartet ein Riesen-Blumentopf.“

Zusammenarbeit mit Schulen

Da sind zum einen die Klassiker wie die Betreuung des Jugendtrainings und der Mannschaften. Doch damit könnten freilich nicht 39 Arbeitsstunden pro Woche sinnvoll genutzt werden. Aus diesem Grunde verschrieb sich der TTV Waltrop schon vor Jahren weiteren Feldern: Arbeitsgemeinschaften in vier Schulen und einem Kindergarten existieren bereits in der Ostvest-Stadt.

„Wir würden das gerne ausbauen, aber ohne einen Bufdi funktioniert das längst nicht mehr“, sagt Korte. Zumal auch Projekte wie eine Zusammenarbeit mit der Förderschule Oberwiese forciert werden sollen. Oder auch Tischtennis mit Flüchtlingen oder mit an Demenz erkrankten Menschen auf die TTV-Agenda rücken könnten. Lebenserfahrung dürfte Felix Happ also auch abseits des klassischen Sportbetriebes reichlich sammeln – inklusive der Ausbildung zur Trainer-C-Lizenz.

Psychologie ist das Studienziel

Mit Spannung und großen Erwartungen geht er also an seine neue Aufgabe heran. Sein Kumpel Lukas Bosbach, der sich auf der Bufdi-Zielgeraden beim TTV befindet, hatte ihn darauf aufmerksam gemacht. Dass Felix Tischtennis bislang nur im Urlaub gespielt hat, ist eh sekundär. „Es geht ja auch darum, den Blick für die Zukunft zu schärfen.“ Und für das Studienziel Psychologie kann er eben auch „an der Platte“ eine Menge lernen.

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