Coronavirus

Neue Virusvariante mit 59 Mutationen entdeckt: Wie gefährlich ist C.1.2.?

Eine neue Variante des Coronavirus wurde in Südafrika entdeckt. Die Linie C.1.2. breitet sich wohl ähnlich schnell wie Delta aus, vermuten Forschende. Auch in Europa gibt es erste Fälle.
Wissenschaftler haben eine neue Mutation des Coronavirus entdeckt. Erste Fälle wurden auch schon in Europa registriert. © picture alliance/dpa

Die nationale Gesundheitsbehörde in Südafrika hat eine neue Variante des Coronavirus identifiziert, die möglicherweise zum Problem werden könnte. Die Forschenden nennen die Linie C.1.2. und sprechen von einer „besorgniserregenden Konstellation an Mutationen“. Die Ergebnisse ihrer Ende August veröffentlichten Preprint-Studie wurden auf dem Server MedRxiv veröffentlicht und müssen noch von unabhängigen Expertinnen und Experten begutachtet werden.

Entdeckt wurde die Linie C.1.2. erstmals im Mai 2021 in den Provinzen Mpumalanga und Gauteng in Südafrika. Sie entwickelte sich laut Studie aus einer Virusvariante heraus, die dort noch während der ersten Viruswelle im Vorjahr dominierte. Und sie scheint sich schnell zu verbreiten. Die Forschenden sehen einen kontinuierlichen Anstieg bei dieser Variante. Das Tempo ähnele der Ausbreitung der Varianten Beta und Delta.

Denn inzwischen, im August, kursiert diese Variante bereits in sechs von neun Regionen des Landes. Zudem in der Demokratischen Republik Kongo, Mauritius, Neuseeland, Botswana. Auch in Europa wurde C.1.2. bereits nachgewiesen – in Portugal und der Schweiz.

Neue Virusvariante hat 59 Mutationen

Im Gegensatz zum Ursprungsvirus besitzt C.1.2. gleich 59 Mutationen. Viele davon befinden sich am Spikeprotein, einer strukturell wichtigen Stelle, an der auch die Impfstoffe gegen Covid-19 ansetzen. Etwa die Hälfte der Mutationen tauchten auch in anderen Varianten auf, die bereits als besorgniserregend gelten. Das sind die vier Mutanten Alpha, Beta, Gamma und Delta. Dazu gesellen sich laut Bericht weitere Mutationen, die unter Verdacht stehen, der Immunantwort entweichen zu können.

Es ist aber noch unklar, was das für den Impfschutz bedeuten könnte. Die Forschenden geben an, bereits die Auswirkungen dieser Variante auf die Neutralisierung von Antikörpern nach einer Coronavirus-Infektion oder einer Impfung gegen Covid-19 zu prüfen. Auch ob die Variante C.1.2. gegenüber der Delta-Variante einen Vorteil hat, womöglich noch übertragbarer ist, ist bislang noch nicht klar. Dafür brauche es dem Bericht zufolge weitere Untersuchungen. Klar sei aber, dass diese Linie sich weiter verbreite.

Viren mutieren ständig – auch Corona. Allerdings klassifizieren nationale Gesundheitsbehörden und die Weltgesundheitsorganisation nur manche Viruslinien als besorgniserregend. Sie unterscheiden sich dann nachweislich besonders stark von herkömmlichen Varianten – etwa weil sie übertragbarer sind, virulenter, und/oder die Immunantwort von genesenen oder geimpften Personen schlechter ausfällt. Bei C.1.2. fehlt dieser Nachweis noch.

Hohe Impfquote hilft gegen weitere Mutationen

Dass das Coronavirus aber durch Strategien wie erhöhte Übertragbarkeit und die Beeinträchtigung der Immunantwort im weiteren Pandemieverlauf noch gefährlicher werden könnte, sehen Wissenschaftler schon länger als ein mögliches Szenario an. Dagegen hilft eine möglichst hohe Impfquote. Das zumindest zeigt eine Preprint-Studie von Forschenden aus den USA, die Anfang August erschienen ist.

Darin kommen die Wissenschaftler zum Ergebnis, dass in Ländern mit einer hohen Impfquote wie Israel und dem Vereinigten Königreich die Mutationsrate deutlich geringer als in Ländern wie Japan und Indien sei, die einen niedrigen Anteil an vollständig geimpften Menschen in der Bevölkerung aufweisen.