Spektakuläre Kunst

Schrott-Monster will die Welt sehen

Hebip Ramadani (39) hat aus Schrottteilen ein einmaliges Kunstwerk erschaffen. Zwei Jahre lang hat er an dem „Predator“ gearbeitet. Jetzt möchte er die Skulptur öffentlich ausstellen.
Der "Predator" und sein Erbauer Hebip Ramadani: Nach zweijähriger Bauzeit ist es geschafft - die zwei Meter große Predator-Figur ist vollendet. © Meike Holz

Die Füße sind aus einer alten Gardinenstange, der glatte Brustkorb aus Türblättern eines Golf V, die Haare aus Zündkerzen und Tropfschläuchen entstanden. Zwei Jahre lang hat Hebip Ramadani mit viel Liebe zum Detail immer wieder Hand angelegt, um eine einzigartige Skulptur zu schaffen: das Monster aus „Predator“, dem gleichnamigen Film mit Arnold Schwarzenegger (1987). Das Gesamtwerk ist nach Angaben seines Schöpfers ca. 800 Kilo schwer, 2,30 Meter hoch und gespickt mit zahllosen Einzelteilen.

„Als ich die Augen des Predators gestaltete habe, gruselte es mich schon. Ich fühlte mich immerzu beobachtet“, erzählt Hebip Ramadani. © Meike Holz © Meike Holz

Der 39-jährige Suderwicher ist gelernter Karosseriebauer. Bei der Firma Lingk setzt er Autos nach Unfallschäden wieder instand. Schon als Kind hatte er Spaß daran, seinen Kassettenrekorder zu zerlegen und aus den Einzelteilen kleine Autos zu bauen. Auch seine damalige Kunstlehrerin sah, dass er ein Händchen für Kunst hat. „Ich bin kein Picasso, aber ich habe großen Spaß daran, defekte Teile zweckzuentfremden und Neues daraus zu schaffen.“

Freie Zeit in der Garage verbracht

Vor zwei Jahren hatte Hebip Ramadani nach einem neuen Hobby gesucht. „Erst wollte ich einen Oldtimer restaurieren, aber der nimmt so viel Platz weg. Dann kam mir die Idee, eine einzigartige Skulptur zu bauen – aus Schrottteilen. Heutzutage wird so viel weggeschmissen. Das sehe ich ja bei mir auf der Arbeit. Nachhaltigkeit ist mir wichtig.“ So kam es, dass Hebip Ramadani seine Freizeit am Ende in der Garage verbrachte. Zwei Jahre lang arbeitete er mit kürzeren oder längeren Unterbrechungen durch Arbeit, Urlaub, Haus und Hof, einer Schulter-OP und der Geburt seines dritten Kindes an einer Skulptur, von der er anfangs nicht wusste, wie groß und schwer sie einmal werden würde.

„Ich habe mit den Füßen angefangen und mich Stück für Stück hochgearbeitet, ohne zu wissen, wohin die Reise geht.“ Das Motiv hatte Ramadani im Kopf, bei der Entstehung ließ er seiner Fantasie freien Lauf. „Wichtig war mir, dass die Proportionen stimmen, dass die linke Hand genauso so groß wird wie die rechte. Immer wieder habe ich Teile angebracht, bin fünf Schritte zurückgegangen und habe geschaut, ob sie so wirken, wie ich mir das vorstelle. Das hier zum Beispiel sind Scharniere, die unsere Autotüren festhalten“, erklärt der junge Mann und deutet auf die knochigen Roboter-Hände. „Das Knie hier war mal der Querträger eines Kia Cee’d. Der sitzt direkt hinter der Stoßstange. Den Predator-Stab habe ich aus der Antriebswelle eines Quads geformt.“

Die Zähne bastelte Hebip Ramadani aus Schrauben. Immer, wenn er neue Schrottteile sichtet, überlegt er, wie er sie am besten verwenden könnte. © Meike Holz © Meike Holz

Citroën, Dacia, Ford, Opel, Skoda und VW: Wie viele Autos das Monster gefressen hat, kann Hebip Ramadani nicht mehr sagen. Schrauben, Schläuche, Drähte, Getriebeteile, Kupplungselemente, Pumpen – all das hat der 39-Jährige vom Schrott. „Ich durfte in den Schrottkisten von Mechanikern stöbern. Die fragten, was ich mit dem Müll will“, erzählt der Suderwicher und lacht. „Auch meine Eltern und Freunde waren neugierig und wollten wissen, was ich in der Garage treibe.“ Das wird eine Überraschung, habe er geantwortet. Das Kunstprojekt war lange Zeit sein Geheimnis.

Wann immer es die Zeit zuließ, hat er Schrott sortiert, geschweißt und geschraubt. Etliche Verbrennungen und Rückschläge habe er hinnehmen müssen. Seine Frau Mirsada dokumentierte den Entstehungsprozess mit der Handykamera.

Geheimnis nach Jahren gelüftet

Dann kam der Zeitpunkt, an dem Hebip Ramadani das Rolltor seiner Garage hochfuhr, um sein blechernes Geheimnis zu lüften. „Alle waren baff: meine Familie, Freunde und Arbeitskollegen. Mit so etwas hat niemand gerechnet.“ Besonders stolz ist die Familie. „Ich weiß, wie viel Zeit und Mühe darin stecken und wie viele Verbrennungen durch das Schweißen Hebip hinnehmen musste. Ich bin sehr stolz auf ihn“, sagt seine Frau.

Wenn die Skulptur vor dem Garagentor steht, ist das Interesse in der Nachbarschaft groß. „Alle kommen und wollen ein Foto machen“, erzählt der junge Familienvater. © Meike Holz © Meike Holz

Sich künstlerisch betätigen und Skulpturen bauen – am liebsten würde Hebip Ramadani das hauptberuflich tun. Und der 39-Jährige hegt noch einen anderen Traum. „Ich möchte die Skulptur gerne öffentlich ausstellen. Ich liebsten dort, wo sie viele Menschen sehen. Vielleicht wäre sie geeignet für ‚RE leuchtet‘ oder auch für das Schaufenster eines Museums.“ Wichtig sei, dass sie überdacht wird, sonst rostet sie schnell.

Die anfängliche Befürchtung des Vaters, dass sich Kinder vor dem Monster gruseln könnten, habe sich bislang nicht bestätigt. „Die Kinder sind durchweg begeistert. Genauso Autonarren, Handwerker, Filmliebhaber, Kunstinteressierte, Männer und Frauen. Für jeden ist etwas dabei. Besonders abends mit Beleuchtung ist die Wirkung einmalig.“

Info: Wer eine Idee hat, wo man die Skulptur ausstellen könnte oder selbst einen überdachten Ausstellungsraum hat, kann sich gerne an die RZ-Redaktion wenden, Tel. 02361/18 05 24 14 oder per Mail an rzredaktion@medienhaus-bauer.de. Wir stellen dann den Kontakt her.

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