Schulabschluss

Überraschende Lockerung stresst die Schulen

Eine neue Lockerung erhöht den zeitlichen Druck an Schulen in Recklinghausen zum Schuljahresende ein letztes Mal. Feierliche Zeugnisvergaben und Abifeiern dürfen wieder stattfinden.
Abitur- und alle weiteren schulischen Abschlusszeugnisse dürfen wieder im feierlichen Rahmen überreicht werden. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Kurz vor den Sommerferien überrascht die Landesregierung die Schulen mit einer erfreulichen, aber durchaus zeitintensiven Lockerung: Sie dürfen ihren Abschlussklassen eine feierliche Zeugnisvergabe gemeinsam mit Lehrern und Eltern ermöglichen. Auch eine von den Schülern selbst organisierte Abifeier darf in kleinerem Rahmen doch noch stattfinden. Alles unter gewissen Bedingungen, wie negativen Testnachweisen und Sitzordnung, versteht sich. Viel Zeit für die Organisation bleibt den Schulen nicht. Schon in zwei Wochen sind die Abitur-Entlassfeiern angesetzt.

„Die Mitteilung kam wieder sehr kurzfristig. Ich habe per Twitter-Nachricht von der Staatskanzlei zuerst davon erfahren“, sagt Christian Passerah. Der Schulleiter des Marie-Curie-Gymnasiums wundert sich sichtlich über die Art und Weise der Kommunikation. Dass die Schulleitung ihren Abiturienten eine angemessene Zeugnisvergabe ermöglichen wolle, stehe außer Frage. „Wir werden definitiv im Rahmen unserer Möglichkeiten eine Feierlichkeit auf die Beine stellen. Das werden auch alle weiteren Schulen versuchen. Gerade die Schüler des aktuellen Jahrgangs haben eine Feier verdient. Es ist schön, dass alle noch einmal kommen und sich von ihren Lehrern und Mitschülern verabschieden können.“

Jörg Schürmann, Schulleiter des Theodor-Heuss-Gymnasiums: „Wir werden eine Feier mit festlichen Charakter, einer Bühne und Reden organisieren. Entweder draußen oder bei schlechtem Wetter im Bürgerhaus Süd, bei Bedarf auch in zwei Gruppen. Irgendwie machen wir das möglich. Die Hauptsache ist, dass die Abiturienten einen würdigen Abschluss erhalten.“

Schulen sind von kurzfristigen Plänen genervt

Auch das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium hat die Zeugnisvergabe längst auf der To-do-Liste, jetzt wohl zusätzlich mit dem Vermerk „aktuell wieder möglich.“ „Wir sind es von der Regierung ja gewohnt, mehrgleisig zu fahren und Pläne immer wieder zu verwerfen“, sagt Tom Bauernfeind, stellvertretender Schulleiter. Trotz allen Aufwands wolle aber auch das Gymnasium am Westerholter Weg eine feierliche Zeugnisvergabe am 26. Juni für seine Schüler ermöglichen.

Realschule feiert gleich dreimal

Auch die Realschulen wollen ihre Schüler nicht ohne Glückwünsche für den weiteren Lebensweg entlassen. „Wir handhaben es wie im vergangenen Jahr und organisieren drei Gottesdienste, einen für jede Abschlussklasse mit Eltern und Zeugnisvergabe in der Pauluskirche“, sagt Stefan Schulze Beiering, kommissarischer Schulleiter der Maristen-Realschule.

Doch bevor es also in die eigentliche Planung geht, müssen sich die Schulen erst einmal in die neueste Verordnung einlesen und austüfteln, wie viele geimpfte, getestete und genesene Personen sie denn wohin einladen dürfen.

Schulbetrieb läuft weiter

„Das ständige Einlesen sind wir ja inzwischen gewohnt“, sagt der MCG-Schulleiter Christian Passerah. Das koste wieder viel Zeit, während der Schulbetrieb parallel normal weiterläuft. Unterricht muss weiter geplant, letzte Klassenarbeiten geschrieben, die Schüler getestet und Zeugnisse gedruckt werden. Am Montag und Dienstag (7./8.6.) wurden an den Gymnasien noch die mündlichen Abiturprüfungen abgehalten.

Dass die Abiturienten noch einen klassischen Abiball organisiert bekommen, halten die Schulleiter für unwahrscheinlich. Er wird an vielen Schulen trotz Lockerung ausfallen müssen. Jörg Schürmann, Theodor-Heuss: „Unsere Schüler haben rechtzeitig die Reißleine gezogen und den Abiball abgesagt. Die Vorgaben, etwa dass keine Gäste kommen dürfen, waren für sie nicht umsetzbar. Das kann ich verstehen.“ Dafür arbeite die Schule bei der Organisation der Zeugnisvergabe eng mit den Schülern zusammen. „Sie dürfen sich mit einer Überraschung einbringen. So können wir wenigstens einen Programmpunkt des Abiballs auffangen.“

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