Tom Gregory im Interview über fehlende Inspiration und Heimatliebe

2017 veröffentlichte Tom Gregory seine Debütsingle "Run To You". So richtig bekannt wurde er in Deutschland aber vor allem durch den Song "Never Let Me Down" von VIZE. © Ozge Cone
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Er war bereits mit Musikgrößen wie Jessie J und Tom Jones auf Tour. Das Hamburger Musiklabel Kontor Records wählte ihn als erstes Pop-Signing und sein Mega-Ohrwurm „Never Let Me Down“ mit VIZE ist Platin gegangen. Tom Gregory scheint zu wissen, wie der Hase läuft. Ende Oktober hat der britische Singer-Songwriter sein zweites Album „Things I Can’t Say Out Loud“ auf den Markt gebracht. Ein Grund für uns, ein Ründchen mit ihm zu plaudern.

Tom, welche Bedeutung hat der Album-Titel „Things I Can’t Say Out Loud“?

Das ist relativ banal. Als ich nach Blackpool kam, um das Album aufzunehmen, kam mein Vater von einer Reise zurück und gab mir ein kleines Buch. Er sagte zu mir: „Du kannst etwas für dein Album hineinschreiben.“ Auf der Innenseite des Buches stehen die Worte „Words I can’t say out loud“. Das hat mich sehr beeindruckt und ich wusste, dass ich das Album nach diesen Worten benennen muss.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf den Schreibprozess des Albums ausgewirkt?

Nicht nach draußen zu gehen, ist für mich ganz normal, weil ich immer im Studio bin. In diesem Punkt hat mich die Pandemie also nicht wirklich beeinflusst.

Ich wusste aber nicht, worüber ich schreiben soll und das war das Schwierigste. Es gibt immer einen Punkt im Schreib-Prozess, an dem man über Dinge schreibt, die einen inspiriert haben.

Ehrlich gesagt gab es in dieser Zeit nichts, wovon ich mich hätte inspirieren lassen können. Ich musste mich also auf mich selbst besinnen. Es gibt einen Song auf dem Album, der „On The Day I Die“ heißt, in dem ich im Bett liege und darüber nachdenke, was die Leute denken, wenn sie auf meiner Beerdigung stehen. An diesem Beispiel kann man sehen, wie tief ich für dieses Album nachgedacht habe.

„Heaven in a World so cold“ war Dein erstes Album. Wie unterscheiden sich die beiden Platten („Words I can’t say out loud“ und „Heaven in a World so cold“) voneinander?

Wenn mein erstes Album eine gebackene Kartoffel war, dann ist dieses Album eine Portion Pommes frites (lacht). Der Grund, warum ich das sage, ist, dass beides auf dem gleichen Gemüse basiert, aber auf eine andere Art und Weise zubereitet wird. Um es einfach auszudrücken: Ich bin ein bisschen mehr Risiko eingegangen, weil ich einen anderen Sound gewählt habe, den die Leute nicht erwarten würden. Ich musste es für mich tun. Ich wollte kein weiteres Album mit zwölf Songs machen, die genau wie das erste Album klingen.

Welcher Song gefällt Dir am besten auf dem Album?

Es gibt einen Song auf dem Album, der „Northern Lights“ heißt. Die Leute werden wahrscheinlich denken, dass sich das auf die Lichter bezieht, die man am Nordpol sehen kann. In Wirklichkeit geht es um meine Heimatstadt Blackpool. Diese Stadt ist sehr berühmt für ihre Lichter.

Jedes Jahr findet dort zwei Monate lang eine große Lichtershow statt, bei der die ganze Stadt von Millionen von Lichtern erleuchtet wird. Ich habe vorher nie einen Weg gefunden, über Blackpool zu schreiben, wollte aber unbedingt eine Hommage an meine Heimat schreiben. Einige der Lyrics werde ich mir sogar auf den Arm tätowieren lassen.

Einer der Songs auf dem Album heißt „Footprints“. Es geht darum, Fußabdrücke zu hinterlassen. Welche Spuren

möchtest Du mit Deiner Musik hinterlassen?

Ich hoffe, dass ich die Leute inspiriert habe und, dass sie etwas von meiner Musik in Erinnerung behalten. Es gab ein paar Künstler und Bands, die mich inspiriert haben, und wenn ich das bei einer anderen Person erreichen kann, wäre das unglaublich.

Auf „Things I Can’t Say Out Loud“ sind zwölf neue Songs enthalten, unter anderem auch die bereits vorab veröffentlichte Single „River“. © Kontor Records © Kontor Records

Wenn man die letzten Jahre von Deinen Anfängen, den ersten Erfolgen, bis zu Deinen ersten großen Festival-Auftritten wie vor ein paar Monaten in Bern und Deinem zweiten Album betrachtet: Wie hast Du diese Zeit erlebt?

Es ist verrückt! Bei der Show in Bern war es das erste Mal, dass ich eine Reaktion der Leute auf meine Musik bekam. Es gab einen Moment während der Show, in dem ich einen Ohrhörer herausnahm und ich habe die Leute den Text eines Songs singen hören, den ich geschrieben habe!

Ich denke, im Laufe einer Karriere kann man den Fortschritt als eine Art Reise sehen. Aber für mich ging es gleich von null auf 50 Prozent – ich würde nicht sagen, dass ich schon bei 100 bin. Der ganz große Erfolg kam während des Lockdowns. Ich musste erst einmal lernen, was es braucht und wie es sich anfühlt, vor 40.000 Leuten zu spielen.

Nächstes Jahr spielst Du eine große Tournee. Worauf freust Du Dich am meisten?

Das hört sich komisch an, aber ich freue mich wirklich darauf, zwei Monate lang in einem Tourbus zu reisen. Davon habe ich schon als Kind geträumt, als ich die großen Bands im Fernsehen gesehen habe. Als ich ein Kind war, waren die Poster an meinen Wänden, der Stoff, aus dem die Träume sind. Vor den Leuten zu spielen ist cool, aber für mich sind es die kleinen Dinge.